Schon Volksschüler sollen wissen, was Wirtschaft ist

Die Industrie fordert eine altersgerechte Einführung ins Thema. Die Schüler sollen lernen, dass gesamtes Handeln mit Wirtschaft zu tun hat.

(c) Clemens Fabry

Beim Wirtschaftswissen liegt derzeit laut Industriellenvereinigung (IV) einiges im Argen - und zwar besonders in der Pflichtschulzeit, aber auch danach. Die Vermittlung beginne zu spät, der Unterricht liefere zu wenig Know-How, vor allem weil den Lehrern zu wenig Zeit für das Fach zur Verfügung stehe.

"Unser Ziel ist der mündige Bürger", sagt IV-Bereichsleiter Christian Friesl. Die Schüler sollten lernen, dass ihr gesamtes Handeln - vom Zähneputzen in der Früh bis zum Zähneputzen am Abend - mit Wirtschaft zu tun hat und wie sie ihr Leben auch wirtschaftspolitisch mitgestalten können. Das sei keinesfalls ein Programm für Neoliberalismus, wie er betont. "Wir wollen einen Beitrag leisten, dass Jugendliche besser lernen, unternehmerisch zu denken - und vielleicht auch Unternehmer zu werden." Österreichs Jugendliche sollen bereits ab der Volksschule altersgerecht in das Thema eingeführt werden, fordert  Friesl.

Bei Wirtschaftswissen, wie es der IV vorschwebt, geht es nicht nur um Basiswissen im Großen (Wie funktioniert Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung?) wie im Kleinen (Ist ein Null-Euro-Handy wirklich gratis?), sondern auch das Vermitteln entsprechender Haltungen und Kompetenzen. "Es geht um unternehmerisches Denken, Risikobereitschaft, bis hin zu Grundideen von Projektmanagement", erklärt Tina Dworschak aus dem Bereich Bildung und Gesellschaft der IV.

Kein eigenes Fach notwendig

Ein eigenes Fach Wirtschaftskunde braucht es dafür aus IV-Sicht nicht unbedingt. "Wir würden uns mehr Kooperation mit dem Nachbarfach wünschen, einen Unterricht in Fächerbündeln und ein Abkommen vom Denken in Fächern und Werteinheiten - und zwar nicht nur bei Wirtschaftsbildung, sondern auch etwa im MINT-Bereich (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, Anm.)", sagt Friesl.

Für Dworschak sind nicht die Lehrpläne das Problem, viel entscheidender wären die Unterrichtsmaterialien: Hier hätten Analysen gezeigt, dass in Schulbüchern trotz zweijährigem Approbationsprozess grobe Fehlinformationen - auch mit ideologischer Schlagseite - stehen. Dazu kommt als massiver "Blind Spot" der Bereich digitaler Unterrichtsmaterialien, die individuell kursieren: "Die Frage, wie hier Qualitätssicherung passieren kann, ist völlig offen", schildert Dworschak.

Ein Problem ist aus IV-Sicht auch der Zugang der Lehrer zu Wirtschaft. "Das wollen wir aber nicht als Pädagogen-Bashing verstanden wissen", betont Dworschak. "Das ist bis zu einem gewissen Grad systemimmanent, weil das Verständnis für einen eigenständigen Inhalt Wirtschaftsbildung fehlt." Die IV möchte den "Kreislauf Schule-Uni-Schule" durchbrechen, indem - wie von der Politik schon lange angekündigt - mehr Quereinsteiger ins System gebracht werden.

Hoffnung setzt die IV auch in die neue Lehrerausbildung, bei der Geografie und Wirtschaftskunde nun zu gleichen Teilen vermittelt werden. Friesl: "Wenn es gelingt, das allgemeine Bewusstsein zu stärken und die Pädagogen zu gewinnen, wird Wirtschaftsbildung mehr Raum bekommen."

(APA)

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