Kann sich bio wirklich jeder leisten?

Weniger Fleisch, mehr Gemüse: Einer aktuellen Studie zufolge wäre ein kompletter Umstieg auf Bioessen kaum teurer als herkömmliche Ernährung.

Einer aktuellen Studie zufolge wäre ein kompletter Umstieg auf Bioessen kaum teurer als herkömmliche Ernährung.
Einer aktuellen Studie zufolge wäre ein kompletter Umstieg auf Bioessen kaum teurer als herkömmliche Ernährung.
Einer aktuellen Studie zufolge wäre ein kompletter Umstieg auf Bioessen kaum teurer als herkömmliche Ernährung. – (c) Bilderbox

Wien. Bioessen liegt im Trend, das zeigen alle Zahlen. Seit dem Jahr 2013 sind die Umsätze mit Biowaren in den österreichischen Supermärkten um mehr als die Hälfte gestiegen. Voriges Jahr wurden mit frischen Bioprodukten (ohne Brot und Gebäck) 542,5 Millionen Euro umgesetzt, um 6,7 Prozent mehr als 2017, Tendenz steigend. Und die Bauern rüsten auf: Schon jetzt arbeiten 23.500 Landwirte in Österreich biologisch, das ist mehr als ein Fünftel aller Bauern. Österreich hat damit den weltweit höchsten Anteil an Bioflächen.

Immer mehr Menschen greifen also zu biologischen Lebensmitteln. Aber kann sich bio wirklich jeder leisten? Die Umweltschützer vom WWF Österreich sagen: Ja. Eine vierköpfige österreichische Familie könne den Bioanteil an ihrem wöchentlichen Einkauf problemlos auf 70 Prozent steigern, ohne dabei Mehrkosten zu haben. „Bioeinkauf ist kein Luxusthema“, sagt Helene Glatter-Götz vom WWF. Wenn es ums Essen geht, machen die Österreicher nämlich aktuell so einiges falsch. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau hat sich den durchschnittlichen Warenkorb einer Familie mit zwei Kindern und zwei Erwachsenen angesehen. Der Wocheneinkauf summiert sich auf 119 Euro, ein Drittel sind Billigprodukte, zwei Drittel sind Markenprodukte. Und hier hakt es: Die Österreicher kaufen dreimal mehr Fleisch und mehr Fertigprodukte und Softdrinks ein, als das Gesundheitsministerium empfiehlt.

 

Neun Prozent Bioanteil

Statt wie empfohlen 19,5 Kilogramm kaufen sie jedes Jahr 65 Kilo Fleisch, dazu 84 Kilo Brot und sonstige Getreideprodukte – anstatt 68 Kilo, wie offiziell als gesund angesehen wird. Dafür finden statt der empfohlenen 100 Kilo Obst pro Erwachsenem nur 59 Kilo ihren Weg ins Einkaufswagerl. Und nur 97 Kilo Gemüse statt der empfohlenen 265 Kilo. Würden die Österreicher ihre Essgewohnheiten umstellen, könnten sie zu gleichem Preis mehr bio essen. Das Protein lasse sich durch Hülsenfrüchte kompensieren, dazu soll mehr Obst und Gemüse gekauft werden. Außerdem würde die gesündere Ernährung die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent senken. Würde man zu hundert Prozent auf bio umsteigen, würde das nur rund zehn Prozent mehr kosten. Man kann die Botschaft des WWF also auch so interpretieren: Bio kann sich jeder leisten, man muss es nur wollen. Wer mehr gesundes Essen kauft und dafür weniger ungesundes, wie Fertigprodukte und süße Getränke, für den geht sich auch bio gut aus.

Derzeit liegt der Bioanteil bei frischen Produkten im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel bei neun Prozent. Das heißt, dass jeder Österreicher im Jahr um 148 Euro biologisch hergestellte Produkte kauft, so die Daten der Agrarmarkt Austria.

Die Umweltschützer fordern ein Ende der Rabattaktionen bei Fleisch. Dagegen wehrt sich der Handel, der die Vorwürfe des Preisdumpings zurückweist. Milchprodukte sind in bio nur geringfügig teurer als konventionelle, für Biofleisch muss man mitunter sehr tief in die Tasche greifen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2019)

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