Millionenpleite eines nö. Asylquartierbetreiber

Der niederösterreichische Asylquartier-Betreiber Eder ist zahlungsunfähig. Ein Sanierungsverfahren wurde eröffnet.

Über das Vermögen der insolventen Eder Beteiligungsverwaltungs GmbH, die in Niederösterreich 56 Asylquartiere betreibt, ist am Donnerstag vom Landesgericht St. Pölten ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet worden. Die Gläubiger können bis 19. März Forderungen anmelden, teilte der AKV in einer Aussendung mit. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Friedrich Nusterer bestellt.

Die Gläubigerversammlung, Berichtstag- und allgemeine Prüfungstagsatzung findet demnach am 2. April statt. Eine Tagsatzung betreffend Sanierungsplan sowie die nachträgliche Prüfungs- und Schlussrechnungstagsatzung folgt am 14. Mai.

Wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) und der Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) am Mittwoch mitgeteilt hatten, machen 162 Gläubiger Forderungen von rund 5,7 Millionen Euro geltend. Firmenangaben zufolge stehen dem 4,2 Millionen Euro an Vermögen gegenüber.

Das Unternehmen hatte zwischenzeitlich bis zu 140 Mitarbeiter, derzeit sind es aufgrund von Liquiditätsproblemen aber nur mehr 38, geht aus den AKV-Unterlagen hervor. Laut KSV1870 baute die Eder Beteiligungsverwaltung ab 2015 Containerdörfer für die Unterbringung von Asylwerbern und musste Quartiere anmieten, um die Verträge mit dem Land Niederösterreich erfüllen zu können. "Nachdem sich herausstellte, dass Asylwerber im Containerdorf nicht mehr untergebracht wurden, waren die in diese Dörfer getätigten Investitionen verloren. Es kam zu einem Verlust von 2.000 Betreuungen von Asylwerbern", so der KSV.

Das Ziel des Unternehmens ist eine Fortführung mit weniger Standorten nach einer Entschuldung. Derzeit werden acht Asylquartiere im Mostviertel, acht in Lilienfeld-Traisen, zwei in Stockerau, drei in Niederösterreich Süd und 35 im Waldviertel betrieben.

Im Büro des für des für Asylwesen zuständigen niederösterreichischen Landesrats Gottfried Waldhäusl (FPÖ) wird davon ausgegangen, "dass die Quartiere vorerst weitergeführt werden. Ansonsten werden die betroffenen Fremden in geeignete Quartiere verlegt". In diesem Zusammenhang müsse "zuerst ein Gespräch mit dem Masseverwalter geführt werden", wurde in einer schriftlichen Stellungnahme betont.

Im Bundesland gebe es aktuell etwa 420 organisierte Asylquartiere, in denen in Summe rund 2.900 Flüchtlinge untergebracht seien. In der Grundversorgung befinden sich aktuell 5.150 Personen, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Büro Waldhäusl.

(APA)

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