Biomasse ist nicht automatisch gut fürs Klima

Laut dem Zusammenschluss der europäischen Akademien der Wissenschaften sorgt Biomasse oft nur für eine geringe CO2-Reduktion gegenüber fossilen Energieträgern. Das sollte auch in die politische Bewertung einfließen.

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(c) APA/HELMUT FOHRINGER

Wien. Die bisherige Methode einer langsamen Abkehr von fossilen Brennstoffen wird nicht ausreichen. Zu diesem Erkenntnis gelangte der UN-Klimabeirat IPCC im Oktober anlässlich seines Sonderberichts über die Klimaziele von Paris. Dort wurde im Jahr 2015 ja beschlossen, dass die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter nicht nur auf zwei, sondern sogar auf 1,5 Grad beschränkt werden soll.

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, brauche es angesichts der bereits fortgeschrittenen Situation zusätzlich zum Austausch fossiler Energieträger auch Maßnahmen, CO2 wieder aus der Atmosphäre zu holen, so das IPCC. Etwa, indem Biomasse verbrannt und das dabei entstehende Kohlendioxid abgeschieden und unter der Erde gespeichert wird (Carbon Capture and Storage; CCS). Da die Pflanzen beim Wachstum der Luft CO2 entziehen, würde so das Kohlendioxidniveau der Atmosphäre nachhaltig gesenkt werden.

Diesen Bericht nahm nun der Zusammenschluss der europäischen Akademien der Wissenschaften (EASAC) zum Anlass, sich sowohl die Rolle der Biomasse als auch von CCS genauer anzusehen. Und er kam dabei zu Erkenntnissen, die auch für Österreich interessant sein dürften. Schließlich plant die Regierung weiterhin, 47 unrentable Holz-Kraftwerke mit einer Sonderförderung von rund 150 Mio. Euro am Leben zu halten.

Lange „Payback-Periode“

Bezüglich der Biomasse kommen die Wissenschaftler dabei jedoch zu einem Schluss, der vielen hierzulande nicht so gut gefallen dürfte. Denn laut ihnen wird der Beitrag der Verbrennung von Holz und anderen Pflanzen in der Bekämpfung des Klimawandels deutlich überschätzt. Konkret schreibt das EASAC: „Sich bei der Erreichung der europäischen Klimaziele auf Biomasse zu verlassen, erhöht das Risiko, das 1,5 Grad-Ziel zu verfehlen.“ Begründet wird diese Aussage damit, dass bei Biomasse – anders als bei anderen erneuerbaren Energieträgern wie Sonne oder Wind – in erster Instanz genauso Kohlendioxid emittiert wird, wie bei fossilen Energieträgern. Die CO2-Neutralität ergebe sich erst dann, wenn der gefällte Baum wieder vollständig nachgewachsen ist und das Kohlendioxid somit wieder aus der Atmosphäre entfernt wurde. Diese „Payback-Periode“ könne allerdings mitunter sehr lange – bis zu 100 Jahre – dauern, so das EASAC.

Hinzu komme, dass bei Biomasse aufgrund der geringen Energiedichte im Verhältnis zu fossilen Energieträgern, der Transport stärker ins Gewicht falle. Dies sei besonders problematisch, wenn etwa Holz aus anderen Ländern eingeführt werden muss, um es zu verbrennen, wie bei britischen Biomasse-Kraftwerken. In diesem Zusammenhang kritisiert das EASAC die derzeitigen Regelungen, wonach Biomasse in jedem Fall als CO2-neutral gewertet werde. Das gebe „einen falschen Eindruck über den Fortschritt des importierenden Landes bei der Senkung von Emissionen.“

Zu wenig CCS-Forschung

Die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) wird von EASAC jedoch jedenfalls als notwendige Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel gesehen. Allerdings sehen sie CCS weniger als künftige Maßnahme, um mittels Biomasse-Verbrennung CO2 aus der Atmosphäre zu holen, sondern als Methode, um die Emissionen von fossilen Kraftwerken gar nicht erst in diese kommen zu lassen.

Die Wissenschaftler kritisieren dabei den mangelnden Fortschritt bei Forschung und Entwicklung zu dem Thema in der EU. In Österreich ist die Errichtung von CCS-Anlagen seit 2011 übrigens gesetzlich verboten. Das Verbot wurde erst heuer im Jänner nach einer Evaluierung erneut beibehalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2019)

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