Wo Chinesen in Österreich das Sagen haben

Skihersteller Atomic reiht sich in eine Liste heimischer Vorzeigeunternehmen mit chinesischen Eigentümern. Gesellschafter aus China unter anderem bei FACC, ATB, Palfinger, Wolford und Diamond Aircraft.

FOLTIN Jindrich / WB

Künftig wird der österreichische Skihersteller Atomic einem chinesischen Investor gehören, statt einem finnischen. Auch wenn der Übergang über die Bande geschieht, das Engagement chinesischer Firmen in Österreich - wie allgemein in Europa - steigt ständig. Atomic reiht sich in eine länger werdende Liste heimischer Vorzeigeunternehmen mit chinesischen Eigentümern.

Im März 2018 übernahm beispielsweise der chinesische Investor Fosun den Vorarlberger Wäschekonzern Wolford. Ein weiteres prominentes Beispiel ist der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC, der seit 2009 mehrheitlich der staatlichen Aviation Industry Corporation of China (AVIC) gehört.

Zwei Jahre nach dem FACC-Deal ging der steirische Motorenhersteller ATB aus der ehemaligen A-Tec-Gruppe ebenfalls an Chinesen. Das Industrieunternehmen Wolong machte für ATB rund 100 Millionen Dollar locker. Ein Jahr später verschwand für eine gute Milliarde Euro der Mobilfunker Orange vom österreichischen Markt, als der hinter dem Konkurrenten "Drei" stehende Hongkonger Mischkonzern Hutchison zugriff. Auch die 2017 erfolgte 95 Millionen Euro schwere Übernahme von Tele2 Österreich geht auf das Konto von Hutchison/Drei.

Der oberösterreichische Spezialmotorenbauer Steyr Motors wurde 2012 zu 100 Prozent an den Hongkonger Finanzinvestor Phoenix Tree HSC Investment (Wuhan) verkauft. Hauptgesellschafter war bis dahin der frühere Minister Rudolf Streicher. 2013 beteiligten sich der Salzburger Kranhersteller Palfinger und sein China-Partner Sany Heavy Industries mit je 10 Prozent aneinander. 2017 reduzierte Sany auf 7,5 Prozent.

Neben den spektakulären gab es auch mehrere kleinere Übernahmen. So bekam der Flachkabelhersteller I&T 2014 nach abgeschlossenem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung ebenfalls einen chinesischen Mehrheitseigentümer: Die Changzhou Xingyu Automotive Lighting Systems. Der Salzburger Softwareentwickler Snapshot hat seit 2015 chinesische Mehrheitseigentümer. Ebenso die P & P Industrietechnik GmbH, der Kläranlagenbauer KWI mit Sitz in Ferlach, Kärnten, der seit 2015 über eine schwedische Zwischengesellschaft von Shanghai Safbon Water Service gehalten wird, der Autozulieferer Austria Druckguss aus Gleisdorf in der Steiermark steht seit 2016 zur Gänze im Eigentum der Anhui Zhongding Holding. Die Leobersdorfer Maschinenfabrik (LMF) ist nach mehreren Eigentümerwechseln bei der chinesischen Kaishan Compressor gelandet. Auch die Wiener Fondsgesellschaft C-Quadrat kam in chinesische Hände, nämlich in die des Mischkonzerns HNA Group. 2017 stieg die Haier Group beim Kärntner Solarunternehmen GREENoneTEC ein. In Wiener Neustadt schluckte die Wanfeng Aviation Industry Corporation den Flugzeughersteller Diamond Aircraft und in Grambach bei Graz übernahm die PIA Automation Holding (Ningbo Joyson Electronic) den Automationsspezialisten M&R Automation.

Nicht zwingend waren alle Investments erfolgreich. Wolford kämpft derzeit mit schwindenden Aufträgen, der Autobahnraststättenbetreiber Rosenberger ist unter den beiden chinesischen Familien Liu und Ni in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht und ging über einen Zwischeninvestor an Burger King. Auch das Salzburger Skigebiet Gaißau-Hintersee ist zwar nach der Insolvenz 2917 Jahr von Zhonghui Wang zu 75 Prozent übernommen worden, erhielt aber im zu Ende gehenden Winter nicht die erhofften Investitionen.

 

Sechstgrößte Investorengruppe

Über österreichische Banken haben sich chinesische Investoren zuletzt auch begehrte Banklizenzen in Europa verschafft. So gingen gleich zwei liechtensteinische Töchter österreichischer Geldhäuser an chinesische Konzerne. Vor rund zwei Jahren hat Raiffeisen Vorarlberg (Kleinwalsertal) die damalige Raiffeisen Privatbank Liechtenstein an die chinesische Mason Group Holdings, Hongkong, verkauft. Davor war 2016 die Valartis Bank Liechtenstein (ehemals Hypo Investment Bank) an die ebenfalls in Hongkong ansässige Citychamp Watch and Jewellery Group gegangen; diese kleine Liechtenstein-Bank heißt mittlerweile Bendura und war vor dem Verkauf an die Schweizer Valartis-Gruppe eine Tochter der Hypo Vorarlberg.

Chinesen (inklusive Hongkong) sind derzeit die sechstgrößte Investorgruppe in Österreich, hinter der klaren Nummer eins Deutschland, den USA, der Schweiz, Frankreich und Schweden. Die Ansiedelungsagentur Austrian Business Agency (ABA) zählte im Vorjahr 100 chinesische Unternehmen in Österreich (Firmen mit chinesischen Gesellschaftern und Zweigniederlassungen chinesischer Firmen).

(APA)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Wo Chinesen in Österreich das Sagen haben

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.