Bauernbund: Herkunft verarbeiteter Lebensmittel muss ersichtlich sein

Ungleiche Regeln für Bauern inner- und außerhalb der EU empören die heimischen Landwirte. Sie fordern mehr Fairness im Wettbewerb.

Der Bauernbund fordert eine europaweit verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel.
Der Bauernbund fordert eine europaweit verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel.
Der Bauernbund fordert eine europaweit verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel. – (c) Clemens Fabry

Wien. Österreichs Bauern fühlen sich nicht fair behandelt, und zwar von der Politik, den großen Handelsketten, den Konsumenten und den Umweltorganisationen. Das war eine der zentralen Aussagen, die Vertreter des Österreichischen Bauernbunds bei einem Pressegespräch in Wien am Montag der Öffentlichkeit mit auf den Weg geben wollten.

Diskussionen über Landwirtschaft und Fußball hätten in Österreich eines gemeinsam, sagte Georg Strasser, der Präsident des Österreichischen Bauernbunds: Jeder der acht Millionen Österreicher glaube, er wüsste, wie es besser geht, und habe daher das Recht, ein Wörtchen mitzureden. Jedoch hätten die wenigsten eine Ahnung, wie die bäuerliche Lebensrealität ausschaut. „Egal, ob es um Pflanzen- und Tierschutz oder die Kreislaufwirtschaft geht, der Diskussion fehlt es an Sachlichkeit. Das macht uns Bauern sehr zu schaffen.“

 

Gold kostet mehr als Blech

Große Probleme macht den Bauern auch die Haltung österreichischer Handelsketten, die einerseits höchste Qualität von ihnen erwarteten, aber nicht bereit seien, dafür faire Preise zu zahlen. „Man kann nicht Gold fordern und nur Blech zahlen“, sagte der Bauernbund-Präsident.

Das sollten auch die Konsumenten begreifen, sagt Josef Moosbrugger, der Präsident der Österreichischen Landwirtschaftskammer. Die Bevölkerung wünsche sich nachhaltigst produzierte Lebensmittel und strenge Auflagen bei der Tierhaltung sowie beim Pflanzenschutz, beim Griff ins Regal jedoch – dem Moment der Wahrheit – entscheide sie sich dann doch häufig für das billigste Produkt. „Wenn man schon definiert, wie Landwirtschaft funktionieren soll, muss man auch wissen, dass das seinen Preis hat“, sagt Moosbrugger.

 

Unterschiedliche Spielregeln

Ihn verärgert auch, dass unterschiedliche Spielregeln für landwirtschaftliche Betriebe inner- und außerhalb der EU gelten. „In der EU wird nach deutlich strengeren Regeln als in der übrigen Welt produziert. Dennoch stehen die Bauern in der EU mit Billigprodukten aus Ländern, in denen Umwelt- und Sozialdumping die Regel sind, in Konkurrenz.“

Ein Beispiel: 2018 war ein Großteil der Erdäpfelernte von Drahtwürmern befallen und daher unbrauchbar. Diese Schädlinge können Landwirte aufgrund der europäischen Pflanzenschutzpolitik nicht bekämpfen. Das führt dazu, dass es bereits Ende April in den heimischen Geschäften keine österreichischen Erdäpfel mehr zu kaufen geben wird. In den Regalen werden andere zu finden sein. Sie werden aus Ägypten und Israel importiert und entsprechen den europäischen Sicherheitsstandards in keiner Weise.

 

Herkunft muss klar sein

Eine Absurdität, die Simone Schmiedtbauer, die auf Platz vier der ÖVP-Liste für die EU-Wahl kandidiert und die Spitzenkandidatin des Bauernbunds ist, nicht länger hinnehmen will, wie sie sagte. Sie und ihre Kollegen fordern eine europaweit verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel. Vor allem wenn Eier, Fleisch und Milchprodukte mehr als 50 Prozent des Endprodukts ausmachen, soll für den Konsumenten mit einem Blick ersichtlich sein, woher die Zutaten kommen.

Einig sind sich die Gastgeber auch, dass die derzeit angestrebten Kürzungen des Agrarbudgets schlimme Auswirkungen hätten: „Sie würden nicht nur das Höfesterben forcieren, sondern auch das Ende eines ökosozialen Musterschülers inmitten der EU bedeuten“, so der einhellige Tenor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2019)

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