Dexcar: Mietwagenfirma als Schneeballsystem?

Gegen die Mietwagenfirma Dexcar laufen Ermittlungen wegen Betrugsverdachts. Auch in Österreich liegt eine Anzeige vor.

Smart forfour links und Opel Mokka am Stand von dexcar Essen Motor Show 2015 28 11 06 12 2015
Smart forfour links und Opel Mokka am Stand von dexcar Essen Motor Show 2015 28 11 06 12 2015
imago/Sebastian Geisler

Die Mietwagenfirma Dexcar mit Sitz in Essen steht Medienberichten zufolge in mehreren europäischen Ländern unter Betrugsverdacht. Das Unternehmen könnte mittels eines Schneeballsystems Zehntausende Autofahrer geprellt haben, berichteten unter anderem „Süddeutsche Zeitung“ und WDR. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft in Bochum, in Italien wurde bereits eine Strafe von 400.000 Euro gegen Dexcar verhängt. In Österreich hat die Arbeiterkammer Vorarlberg inzwischen ebenfalls Anzeige erstattet, wie der ORF berichtet. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe.
Dexcar bietet Autofahrern an, gegen eine vergleichsweise geringe Einmalzahlung von einigen Hundert bis wenigen Tausend Euro – und nach einer Wartezeit von maximal zwei Jahren – 24 Monate lang einen neuen Mietwagen praktisch kostenlos fahren zu dürfen. Selbst für Vollkaskoversicherung und Wartung würden keine Kosten anfallen. Das Unternehmen selbst nennt sein System eine Art „Sharing Economy“: „Jeder Unterstützer, der an der Verbreitung der Marke Dexcar teilnimmt, hilft allen Unterstützern der Community, das Dexcar-Werbeauto als Belohnung zu erreichen“, heißt es auf der Firmen-Homepage.

Firma weist Vorwürfe zurück

Tatsächlich sollen aber sehr viele Kunden schon jahrelang vergeblich auf ihre „Belohnung“ warten – oder darauf, ihr Geld zurückzubekommen. Laut AK-Konsumentenschützer Paul Rusching werden die Kosten für die Autos durch immer wieder neu hinzukommende Personen finanziert, die in die Struktur einzahlen. „Dadurch ergibt sich dieser pyramidenförmige Aufbau, der rein mathematisch nicht funktionieren kann“, sagte Rusching. Die AK Vorarlberg habe bereits im März 2017 vor dem Geschäftsmodell gewarnt.
Die Firma selbst, die ihre Geschäfte inzwischen von Weißrussland aus betreibt, sieht sich indes als Opfer einer Verleumdungskampagne. Dem Modell liege ein ausgeklügeltes System zugrunde, das von einem Algorithmus gesteuert werde. Alle Verträge würden erfüllt. (ag./red.)

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