Interview

Oliver Holle: „In Österreich fehlt es an Ernsthaftigkeit“

Die digitale Transformation steht erst am Anfang und wird alle Branchen betreffen, sagt Speedinvest-Gründer Oliver Holle, der Start-up-Gründern bei den ersten Schritten hilft. In Österreich sieht er eine „gefährliche Gemütlichkeit“.

Pro Jahr melden sich fast 4000 Start-ups bei Speedinvest: „Wir müssen brutal aussortieren“, sagt Oliver Holle.
Pro Jahr melden sich fast 4000 Start-ups bei Speedinvest: „Wir müssen brutal aussortieren“, sagt Oliver Holle.
Pro Jahr melden sich fast 4000 Start-ups bei Speedinvest: „Wir müssen brutal aussortieren“, sagt Oliver Holle. – (c) GABRIELE PAAR

Die Presse: Gehören Sie zu den Managern, die um drei Uhr aufstehen und laufen gehen?

Oliver Holle: Nein, aber wir haben Hühner zu Hause. Die muss ich sehr zeitig in der Früh rauslassen.

Sie halten Hühner? In Wien?

Ja, das geht. Wir wohnen im 17. Bezirk am Heuberg, also nicht im Zentrum. Ein Problem ist es eher, wenn der Fuchs sich die Hühner holt. Aber jetzt haben wir einen elektrischen Zaun.

Wo muss man fragen, wenn man in Wien Hühner halten will?

Wir haben es einfach gemacht. Irgendwann ist eine Dame von der Gemeinde aufgetaucht und in den Garten gegangen. Die wollte nur nachsehen, ob die Hühner genug Platz haben. Haben sie. Das war eigentlich extrem unbürokratisch.

Kommen wir zum Geschäft. Start-ups klagen oft, dass sie in Europa kein Kapital bekommen.

Die Lage hat sich extrem verbessert, aber der Abstand zu Amerika ist immer noch groß. Dort sind die Finanzierungsrunden deutlich größer und die Zyklen kürzer. Ein erfolgreiches US-Start-up hat nach vier Jahren viel mehr Kapital aufgestellt als ein europäisches. Das wirkt sich aus. Aber in der Frühphase, wo wir aktiv sind, haben wir in Europa ein gutes Set-up. Da gibt es in den USA inzwischen ein ungesundes Überangebot an Kapital.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2019)

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