KTM-Chef Pierer von "sensationellem" Motorradmarkt in Europa überrascht

Die Proteste der Gelbwesten in Frankreich, die Schuldenproblematik in Italien und der Brexit von Großbritannien hätten anderes erwarten lassen, so Pierer.

KTM übertrifft Umsatzziele
KTM übertrifft Umsatzziele
KTM übertrifft Umsatzziele – REUTERS

Der Absatz von Motorrädern war in Europa im ersten Quartal überraschend stark, trotz politischer Unruhen, Brexit und Handelskrieg, sagte der führende Hersteller der Region. "Ich bin völlig überrascht von Europa”, so Stefan Pierer, Vorstandschef von KTM Industries AG, dessen Unternehmen im Vorjahr ein Absatzplus von 10 Prozent auf 261.000 Maschinen geschafft hat. “Europa ist sensationell bisher dieses Jahr. Das kann zwar nicht so weitergehen, aber was man hat, das hat man.”

Eigentlich war seine Erwartung, dass die Proteste der Gelbwesten in Frankreich, die Schuldenproblematik in Italien und der Brexit von Großbritannien die Absatzzahlen in der Europäischen Union dämpfen würden, so Pierer. Aber die wichtigsten Länder in der Region legten bei den Motorrad-Neuzulassungen ein Plus von 21 Prozent hin im ersten Quartal, wobei KTM selbst mit 22 Prozent noch etwas schneller unterwegs war, sagte Pierer im Interview am Unternehmenssitz im österreichischen Mattighofen. Die Statistik ist auch Ausdruck von robustem Verbrauchervertrauen, denn Käufe solch potenter Zweiräder sind eher Anschaffungen für Spaß am Wochenende als für den täglichen Weg zur Arbeit.

Rückgang in Nordamerika

In Nordamerika, wo Harley-Davidson Inc. dominiert, fiel der Branchenabsatz um 4,5 Prozent, wogegen 1,1 Prozent weniger KTM-Motorräder zugelassen wurden. April war wiederum insgesamt etwas schwächer als der März, so der Hersteller.

KTM, auch Besitzer von Husqvarna, hat seinen jährlichen Absatz in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Pierer prognostiziert derzeit ein Umsatzwachstum für sein Unternehmen (er besitzt mehr als die Hälfte) von ein bis fünf Prozent für dieses und nächstes Jahr, was sich ab 2021 auf etwa zehn Prozent beschleunigen soll durch die Einführung neuer Modelle. Bis 2022 will Pierer 400.000 Stück bauen und verkaufen, inklusive der Absätze des indischer Partners Bajaj Auto Ltd. Der Umsatz dürfte dann auf etwa zwei Milliarden Euro steigen.

Der Gewinn vor Steuern soll sich derweil innerhalb der "heiligen Linie" von acht bis zehn Prozent vom Umsatz bewegen, so oder Manager. Die Investitionen haben mit 184 Mio. Euro in 2018 wohl zunächst ihren Höhepunkt gesehen und dürften bis 2021 unter 160 Millionen Euro pro Jahr bleiben, nachdem das Unternehmen in Mattighofen die Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten deutlich ausgebaut hat. Der Freie Cash Flow dagegen dürfte mit neuen Modellen anziehen.

Zukunftsmarkt E-Bikes

Zu nennen wäre für KTM etwa eine neue 390ccm Einzylinder dieses Jahr und eine Touring-Maschine auf Basis der 790er Duke mit dem neuen Zweizylinder-Reihenmotor für das Modelljahr 2021. Die Schwestermarke Husqvarna wird eine 800ccm Reiseenduro bringen und Pierer denkt sogar über ein V2-Flaggschiff analog zur KTM Super Duke nach.

Händler monieren mittlerweile, dass KTMs Absatzziele ehrgeiziger sind als die Nachfrage bei ihren Kunden, was hohe Rabatte notwendig mache, um Bestände abzuverkaufen. Pierer hat als Antwort den Produktionsplan für Mattighofen für dieses Jahr deutlich reduziert. Und will den Fahrradhersteller Pexco schon bis 2021 komplett übernehmen und damit früher als geplant.

"E-Bikes sind ein Riesenmarkt geworden, da braucht man keinen Führerschein, der Markt ist explodiert", so Pierer. "Als großer Hersteller muss man da vertreten sein."

(a)

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