Billigfleisch: WWF prangert Kampfpreise zum Start der Grillsaison an

Grillwürstchen seien „in Relation billiger als der Senf dazu", kritisieren die Umweltschützer und plädieren für ein Verbot von Dauerrabatten auf Fleisch- und Wurtswaren. Eine Petition läuft.

imago images / Nikita

Pünktlich zum Start der Grillsaison hat der WWF wieder Rabattaktionen in Österreichs Supermärkten unter die Lupe genommen. Er ortet einen starken Anstieg von Lockangeboten für Fleischprodukte. Rabatte auf Grillprodukte machen demnach an die 44 Prozent aller erfassten Fleisch-Aktionen aus. "Die Grillsaison wird zum Anlass genommen, Fleisch noch stärker als bisher unter dem fairen Wert zu verkaufen“, kritisieren die Umweltschützer in einer Aussendung.

Die Rabatt-Analyse zeige „eine absurde Schieflage: Bei Fleisch-Kilopreisen von 3,99 Euro ist das  Grillwürstchen in Relation billiger als der Senf dazu", erklärt Helene Glatter-Götz, WWF-Expertin für nachhaltige Ernährung. Die dauerhafte Rabattierung fördere den massenhaften Absatz von Billigfleisch, das oft „unter schlechten ökologischen Bedingungen zu Lasten des Tierwohls" hergestellt werde. Das belaste nicht nur Umwelt und Gesundheit, sondern auch die heimischen Landwirte.

Die Dauerrabattierung von Fleisch- und Wurstwaren ist dem WWF Österreich schon länger ein Dorn im Auge, erst heuer im Februar ließen die Umweltschützer mit der Forderung eines gesetzlichen Verbotes aufhorchen. Aktuell läuft eine Petition zum Thema (https://www.wwf.at/de/billigfleisch-stoppen/).

Fehlende Herkunftsangaben

Die neuerliche Untersuchung von Fleischrabatten fünf österreichweiter Supermarktketten über einen Zeitraum von 28 Tagen von April bis Mai habe gezeigt, dass der Preisdruck im Frühjahr sogar weiter ansteigt. Zwar sei der durchschnittliche Rabatt von 27 Prozent auf 24 Prozent leicht gesunken, die Gesamtzahl der rabattierten Produkte hingegen um fast 40 Prozent stark gestiegen. „Ermäßigungen um 50 Prozent sind weiterhin keine Seltenheit“, kritisiert der WWF.

"Wenn Schweinekoteletts ab 4,99 Euro pro Kilo oder vormarinierte Spare-Ribs um 3,99 Euro pro Kilo verschleudert werden, ist ein tier-
und umweltschonender Betrieb nicht möglich", sagt Helene Glatter-Götz. Zusätzlich problematisch sei die oft fehlende Herkunftsangabe bei Grillfleisch: „Sobald Fleisch mariniert wird, gilt es als verarbeitet und entzieht sich damit der Kennzeichnungspflicht“, das fördere den Absatz von importierter Billigware.

Beispiele für Rabattverbote gebe es bereits, siehe  Babyanfangsnahrung oder Tabakwaren, so der WWF. Alternativ zu einer gesetzlichen Lösung könnte der Verzicht auf Dauerrabatte im Fairnesskatalog des Lebensmitteleinzelhandels festgeschrieben werden, um faire Handels- und Wettbewerbsbedingungen zu schaffen sowie eine klima- und tierfreundliche Produktion zu fördern, regt er an. (cka)

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