"Amazon behandelt Arbeiter wie Roboter"

Der Soziologe Jörg Flecker spricht in Alpbach über die Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt

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Am meisten ärgert sich Jörg Flecker darüber, dass Wirtschaftsvertreter manchmal so tun, als sei die Digitalisierung eine „Naturgewalt“. Dabei würden Konzerne genau wissen, womit sie es zu tun haben und hätten „enorme Gestaltungsmöglichkeiten“. Über diese diskutiert der Soziologe Flecker am Freitag beim Europäischen Forum Alpbach mit Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite.

Laut Flecker bietet der technische Fortschritt große Chancen, vor allem in der Industrie: „Nachtarbeit, einseitige, körperliche Belastung, sehr repetitive Tätigkeiten können wir weitgehend abschaffen.“ Allerdings nur, wenn die Menschen die Technik beherrschen. Leider beobachte er oft den gegenteiligen Trend, sagt Flecker: „In den Lagern von Amazon werden die Arbeiter von Computern gesteuert und wie Roboter behandelt.“

Der Forscher sieht daher die Politik gefordert: „Viele staatliche Gelder wurden in technische Entwicklung gesteckt, der humane Aspekt aber außer Acht gelassen.“ Die Digitalisierung und Automatisierung seien kein Problem, es gehe viel mehr um die Rahmenbedingungen.

Dass uns die sinnstiftende Arbeit ausgeht, fürchtet Flecker jedenfalls nicht: „Wenn wir uns all gegenseitig bilden, veraten, informieren, pflegen“ gebe es genug zu tun. Die 40-Stunden-Woche stellt er dennoch zur Diskussion: „Warum sollte man sonst all die arbeitssparenden Maschinen erfinden?“ (sk)

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