Wie viel junge Europäer für das Wohnen ausgeben

Grafik Europaweit fressen die Wohnkosten zwischen 20 und 41 Prozent der Konsumausgaben der Unter-30-Jährigen auf. Österreich liegt über dem Durchschnitt.

Two friends moving into new home model released Symbolfoto property released PUBLICATIONxINxGERxSUIx
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Langfristig zahlt sich Eigentum aus. – (c) imago images / Westend61 (via www.imago-images.de)

Die Unter-30-Jährigen geben in Europa durchschnittlich ein Drittel ihrer Konsumausgaben für Wohnen aus. Das ergab eine aktuelle Analyse der Bawag von 27 europäischen Ländern. Dabei liegen Österreichs junge Erwachsene mit 36 Prozent über dem Durchschnitt. Die schlechte Nachricht für die heimischen Jungen: Tendenz steigend. Diesen Trend bestätigt Markus Gremmel, Bawag-Bereichsleiter: „Hierzulande wird der Anteil an den Konsumausgaben bei den jungen Erwachsenen für Wohnen immer größer – im Vergleich zum Jahr 1994 ist dieser um etwa 23 Prozent gestiegen.“ Damals haben die Unter-30-Jährigen in Österreich laut Eurostat rund 29 Prozent für das Wohnen ausgegeben.

Einer Auswertung der Statistik Austria zufolge betrug 2017 das Median-Jahreseinkommen der 20-29-jährigen unselbständig Erwerbstätigen in Österreich rund 19.530 Euro brutto. Zu den Wohnausgaben zählen Miete, Ausgaben für Eigentumswohnungen, Instandhaltung und Reparatur, außerdem Betriebskosten und Kosten für Wasser, Strom und Heizung. Damit bilden diese Kosten den nach wie vor größten Teil der Fixausgaben.

Österreich liegt hier im Europavergleich über dem Europaschnitt, der bei 33 Prozent liegt. Spitzenreiter ist Luxemburg, wo die Jungen sogar 41 Prozent ihrer Ausgaben für das Wohnen bereitstellen müssen. Eher günstiger wohnen die jungen Erwachsenen in Malta, die durchschnittlich nur 20 Prozent dafür aufwenden müssen.

Um den Kostentreiber Wohnen zu reduzieren, zahle sich auf langfristige Sicht die Anschaffung von Eigentum für jüngere Menschen aus, zeigt Gremmel auf. „Zwar ist die Anfangsbelastung für frisch-gebackene Wohneigentümer höher, aber auf längere Sicht sinkt die monatliche Belastung – im Gegensatz zu Mieterhaushalten“, erklärt der Bawag-Experte. Und weist darauf hin, dass sich Nettomieten und Betriebskosten nicht nur in der absoluten Höhe unterscheiden, sondern auch in der langfristigen Entwicklung.

Vor zehn Jahren betrug laut die durchschnittliche Nettomiete ohne Betriebskosten 4,20 Euro pro Quadratmeter, 2016 lag diese schon bei 5,80 Euro. Das bedeutet einen stolzen Zuwachs um 38 Prozent. Im Vergleich dazu haben die Betriebskosten nur um 24 Prozent zugelegt: von 1,70 Euro pro Quadratmeter auf 2,10 Euro.

Die Österreicher weisen im europäischen Vergleich eine unterdurchschnittliche Eigenheimquote auf. Doch Österreich holt auf. Ein Indiz ist laut Bawag die dynamische Entwicklung der Wohnbaukredite. Im Zehn-Jahresvergleich hat deren Bestand hierzulande um 58 Prozent zugenommen, gesamten Euroraum ist das Volumen nur um 25 Prozent gewachsen. Insgesamt haben die Österreicher derzeit 110,5 Milliarden Euro an Wohnbaukrediten aufgenommen. Bei der Bawag sieht man die Entwicklung zu mehr Wohneigentum als gesund und nachhaltig an und rechnet mit einer Fortsetzung dieses Trends. „Die zugrunde liegenden Entwicklungen, wie etwa niedrige Zinsen, wachsende Bevölkerung und steigende Urbanisierung unterstützen diese Trends auch weiterhin“, erklärt das Ingo Jungwirth, Volkswirt bei der Bawag.

 

 

 

 

 

 

 

(red./herbas)

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