Erstaunlich, was Menschen verbittern kann

Ein Mann verbitterte, weil er wieder arbeiten kann.

Der Lkw-Fahrer wurde bei einem Verkehrsunfall verletzt. (Symbolbild(
Der Lkw-Fahrer wurde bei einem Verkehrsunfall verletzt. (Symbolbild(
Der Lkw-Fahrer wurde bei einem Verkehrsunfall verletzt. (Symbolbild( – imago/Jochen Tack

Ein Lkw-Fahrer wurde bei einem Verkehrsunfall verletzt und litt in Folge an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die in eine depressiv ausgestaltete Verbitterungssstörung überging. Der Grund der Verbitterung:Er hatte erwartet, dass er aufgrund seiner posttraumatischen Belastungsstörung dauerhaft arbeitsunfähig bleiben würde. Doch diese Erwartung erfüllte sich nicht, er gesundete nämlich. Für die Phase seiner Verbitterungsstörung wollte der Mann jedoch Geld sehen. Er klagte auf Verdienstentgang. Die beiden Vorinstanzen wiesen die Klage ab. Sie befanden, dass der Unfall nicht kausal für die krankhafte Verbitterung des Mannes war.


Der Oberste Gerichtshof (OGH) entschied anders (2 Ob 221/18s): Der Unfall sei „natürlich“ kausal für die Beeinträchtigung des Klägers. Der OGH verwies auf das Phänomen, dassmanche Menschen „die krankheitswertige Wunschvorstellung“ entwickeln, aufgrund eines Unfalls weiterhin krank zu bleiben. In solchen Fällen habe der OGH schon bisher die Haftung bejaht, sofern der Geschädigte den aufgrund des Unfalls ausgelösten psychotischen Verhaltensweisen nicht wirksam begegnen konnte. So sei es auch hier. Nun muss nur noch geklärt werden, wie sich die Verbitterung auf die Arbeitsfähigkeit des Klägers ausgewirkt und welchen Verdienstentgang er dadurch erlitten hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2019)

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