Bakalowits: Große Geschäfte mit alten Lustern

Wie der Phönix aus der Asche ist der ehemalige k.u.k. Lusterhersteller Bakalowits wiederauferstanden und kehrt mit der Ausstattung einer Habsburger-Residenz nun zu seinen Wurzeln zurück.

Bakalowits Grosse Geschaefte alten
Bakalowits Grosse Geschaefte alten
Bakalowits – (c) APA (Privat)

Die Errichtung der Wiener Ringstraße machte den kleinen k.u.k. Lusterhersteller Bakalowits zum Star: Jeder, der etwas auf sich hielt, stattete seine Gemächer und Repräsentationsräume mit den großen Kristalllustern aus, die auch die Habsburger-Paläste zierten. Ein Image, von dem man noch heute zehrt. Mit Aufträgen aus Österreich wäre die Firma allerdings nicht mehr zu erhalten. Lediglich geschätzte zehn Prozent des Umsatzes werden im Inland gemacht.

In den 1970er-Jahren waren es die großen Banken in China, heute sind es die prächtigen Paläste der arabischen Welt, die das Geld in die Kassen spülen. Heuer wird außerdem erstmals wieder ein Großauftrag für eine ehemalige Habsburger-Residenz fertig – doch auch die liegt im Ausland. Zwischen damals und heute liegt eine turbulente Zeit: Auf Probleme mit chinesischen Plagiaten und die Bankenkrise in Moskau folgte Ende der 1990er-Jahre der Konkurs. Wie ein Phönix aus der Asche ist der Betrieb 2001 als GmbH wiederauferstanden: Bakalowits hat sich den Auftrag über 67 Kristallluster und 84 Wandappliken für die Burg in Bratislava geangelt. Für die Beleuchtung, die genauso aussehen soll wie in Schönbrunn, hat die Regierung eine halbe Million Euro lockergemacht.

„Die Republik renoviert nicht.“ In Österreich wäre das heute undenkbar, erzählt der Chef des Familienunternehmens, Friedl Bakalowits, im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“. Großaufträge fehlen einfach. Gelegentlich gebe es Ausschreibungen für Reparaturen in öffentlichen Gebäuden, aber die gewinnen immer kleine Firmen, die billiger sind. Im Schloss Schönbrunn zum Beispiel. „Die Luster sind in einem katastrophalen Zustand“, merkt Bakalowits immer wieder an. „Die Republik renoviert nicht, und wenn sie renoviert, dann mit den falschen Leuten.“ Die kleinen Reparaturaufträge hätten ihn aber ohnehin nie interessiert. Die Kopien der Schönbrunner Luster für die Burg in Bratislava seien „um Welten besser“. Im Inland bemühe er sich höchstens um große Hotels, wie das Grand Hotel.

Alter Zwist mit der Konkurrenz. Dass Bakalowits' Interesse am österreichischen Markt so gering ist, scheint aber noch einen weiteren Grund zu haben. „In Wien gehen viele zu Lobmeyr, weil sie den aus der Kärntner Straße kennen“, meint der 70-Jährige auf die Frage nach der Konkurrenz. Dabei ist es schon eine Weile her, dass die Wiener Firmen J. und L. Lobmeyr und Bakalowits um Großaufträge gerittert haben. 1963, kurz nachdem Friedl Bakalowits in die Firma eintrat, schlug ein solcher Zwist hohe Wellen.

Es ging um einen Millionenluster für die neue Metropolitan Opera in New York. Der damalige Schirmherr der neuen Oper, John D. Rockefeller, kam nach Wien, um die Regierung um Geld zu bitten, erinnert sich Bakalowits. Die Regierung sagte ihm eine Spende über vier Millionen Schilling zu. Dann aber wurde es kompliziert: Der Met-Chef wollte das Geldgeschenk in eine Sachspende umwandeln und bat um einen Luster der Firma J. und L.Lobmeyr. „Die haben nur nicht daran gedacht, dass Waren ausgeschrieben werden müssen“, erklärt Bakalowits und lächelt. „Wir haben die Republik Österreich geklagt und als Ausgleich einen Auftrag für das Kennedy Center erhalten.“

Mit Jeans und Leiberl nach Hongkong.Heute ist bei Auslandsaufträgen keine Konkurrenz mehr spürbar. 90 Prozent der Geschäfte macht die Firma heute im Ausland. Begonnen hat das aber eher zufällig. Anfang der 1960er-Jahre fand in Wien ein großer Bankenkongress statt und just der Präsident der chinesischen Seng Heng Bank suchte in einer Pause das Geschäft auf, das sich damals noch in der Spiegelgasse in der Innenstadt befand. Friedl Bakalowits, damals noch junger Techniker, rief seinen Vater, der sich bei einem Essen im Sacher mit Q.W. Lee anfreundete. Am Ende des Essens stand ein Auftrag über viereinhalb Millionen Schilling für die Zentrale der Bank in Hongkong. Mit „Jeans, Leiberl und Neckermann-Tasche“ reiste der junge Bakalowits wenig später nach Hongkong. „Von da an hatte ich einen Riesenfuß im chinesischen Markt“, erklärt er.

Nach zahlreichen Aufträgen musste sich der österreichische Lusterhersteller aber wieder aus China zurückziehen: „Die haben einfach unseren ganzen Katalog kopiert. Da kann man nichts machen.“

Der Rückzug vom chinesischen Markt war der Beginn einer Spirale aus unglücklichen Zwischenfällen, die im Konkurs endeten. 1998 brachen in Moskau alle Banken zusammen, Bakalowits verlor 50 Millionen Schilling an Forderungen und musste die Niederlassung in der russischen Hauptstadt schließen. Der eigentliche Grund für den Konkurs war aber viel banaler: Im selben Jahr hatte Bakalowits nach dem Konkursantrag eine Forderung von drei Millionen Schilling fristgerecht der Krankenkasse bezahlt. Dass er dann trotzdem noch zum anberaumten Gerichtstermin erscheinen musste, wusste er nicht. „Erst ein halbes Jahr vorher ist das Gesetz geändert worden.“ Es ging lediglich um 38.000 Schilling an Gerichtsgebühren, doch Bakalowits erschien nicht, und die Richterin verhängte den Konkurs, während er den Geburtstag seiner Tochter feierte.

Als der Anruf vom Masseverwalter kam, konnte er die Nachricht nicht glauben, erzählt er. Zusperren war aber nie ein Thema: Bakalowits entschied sich gegen einen Zwangsausgleich („Das hätte 35 Millionen Schilling gekostet“) und ging in Privatkonkurs. Die Familie verkaufte alle Liegenschaften – darunter das Kielmansegg-Schlössl in Maria Enzersdorf und das Firmengebäude im 16.Bezirk, das noch heute den weithin sichtbaren Schriftzug trägt. „Dann haben wir gesagt: ,Nie mehr Kredite‘“, erklärt Friedl Bakalowits mit bestimmter Stimme.

Zehn Prozent der alten Größe. 2001 gründete er eine neue Firma, die „Bakalowits Licht Design GmbH“. „Heute geht es uns gut“, sagt Bakalowits. Die alte Größe werde man allerdings nicht mehr erreichen – das sei auch gar nicht das Ziel. Waren es in den 1990er-Jahren noch Jahresumsätze von bis zu 140Millionen Schilling, sind es heute laut Bakalowits nur noch etwa zehn Prozent davon; statt 56 beschäftigt die Firma nur noch 15 Mitarbeiter. Produziert wird ausschließlich in Österreich, nicht im Ausland, „weil man da kopiert wird“.

Große Aufträge zu bekommen, ist ein Knochenjob, weiß Friedl Bakalowits' Frau Aglaja, die mit ihm das Geschäft führt. Am wichtigsten ist ein starkes Netzwerk: „Es gibt kein Geschäft in dieser Branche ohne persönlichen Kontakt“, erklärt Friedl Bakalowits. In regelmäßigen Abständen stünden daher Reisen nach Asien, Abu Dhabi oder in den Oman an. Die Betreuung der wichtigsten Kunden ist Chefsache und wird immer von Friedl Bakalowits und seiner Familie persönlich übernommen. Auch in Bratislava hat das Netzwerk geholfen: „Unser Kontakt ist 15 Jahre alt“, erzählt Bakalowits. Gemeint ist ein Elektrounternehmen, dem die Firma Bakalowits vor Jahren einen Job in der österreichischen Botschaft in Bratislava verschafft hat.

Teil einer 65-Mio.-Euro-Renovierung.„Die Tschechen haben auch angeboten, aber keine Chance gehabt. Die waren teurer und wir viel schöner“, erzählt der stolze Firmenchef. Die Burg in Bratislava wird nun bereits seit 2008 renoviert – die Kosten werden auf bis zu 65 Millionen Euro geschätzt. Eigentlich sollte im April alles fertig sein. Vor den Wahlen konnte allerdings nur ein Raum präsentiert werden. Bis zur endgültigen Eröffnung wird es aber nur noch wenige Monate dauern, ist Bakalowits überzeugt.

Was die Zukunft bringt? Über künftige Aufträge will Bakalowits noch nichts verraten – „das ist zu heikel“. In wenigen Jahren will er sich aus dem Geschäft aber weitgehend zurückziehen und seinen Kindern das Feld überlassen.

Die nächste Generation ist gut vorbereitet: Tochter Sophie studiert Kunstgeschichte und Wirtschaft, Sohn Maximilian Design.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2010)

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