Russische Firma steigt in die Formel 1 ein – mit Wohlwollen Putins

Der Sportwagenbauer Marussia beteiligt sich am Rennstall Virgin Racing des britischen Milliardärs Richard Branson. Die Moskauer Firma wurde 2007 vom russischen Rennfahrer Nikolai Fomenko gegründet.

Russische Firma steigt Formel
Russische Firma steigt Formel
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ xpb.cc)

[Wien/mar/Ag.]Die erste Saison in der Formel1 lief für Virgin Racing alles andere als befriedigend: Vor dem Saisonfinale hat der Neuling noch immer keinen einzigen Punkt geholt. Jetzt bekommen die Briten Verstärkung von einem, der bisher mit der Formel 1 nichts am Hut hatte. Der russische Sportwagenbauer Marussia Motors kauft sich in das Team ein, ab 2011 heißt der Rennstall „Marussia Virgin Racing“.

„Es ist eine signifikante Investition, keine Übernahme“, betonte Teamchef John Booth im Vorfeld des letzten Saisonrennens in Abu Dhabi. Das Management bleibe weitgehend unverändert, die Russen zeigten sich derzeit nicht an einer Übernahme interessiert: „Die Investition gibt uns bis zum Rennen in Sotschi für vier Jahre Sicherheit.“ Zeitnah zu den Olympischen Winterspielen 2014 am Schwarzen Meer soll erstmals in Russland auch ein Formel-1-Grandprix stattfinden, dafür will die Regierung für 140 Mio. Euro eine neue Rennstrecke bauen.

Die Moskauer Firma Marussia Motors wurde 2007 vom russischen Rennfahrer Nikolai Fomenko gegründet. Demnächst ist die Serienproduktion von Luxussportkarossen geplant, die Motoren dafür kommen allerdings vom englischen Hersteller Cosworth – wie jene für die Boliden von Virgin auch. Zum Markteintritt rührt Marussia nun mithilfe der Formel 1 kräftig die Werbetrommel. Gemäß den Gepflogenheiten der russischen Wirtschaft hat sich der Hersteller bereits Unterstützung von höchster Stelle gesichert: Ministerpräsident Wladimir Putin persönlich treibt seit Jahren den Einstieg russischer Unternehmen in die Königsklasse des Motorsports voran. Im Oktober lud er den Chef der Formel 1, Bernie Ecclestone, nach Sotschi ein.

Wenige Wochen zuvor zeigte sich Ecclestone allerdings wenig begeistert über amateurhaft wirkende Formel-1-Neulinge wie Virgin, die in der ersten Saison mit massiven Problemen zu kämpfen haben: „Sie sind einfach nur peinlich.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2010)

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