Spenden: Versteckte Kosten der guten Tat

Die Österreicher geben heuer 400 Mio. Euro, am meisten an das Rote Kreuz und die Caritas. Wie viel davon für die Verwaltung draufgeht, ist oft wenig transparent.

Spenden Versteckte Kosten guten
Spenden Versteckte Kosten guten
(c) AP (Thomas Kienzle)

Wien. Der Jubel am Heiligen Abend wird auch heuer groß sein, wenn der ORF vor laufender Kamera das Ergebnis seiner Weihnachtsaktion „Licht ins Dunkel“ präsentiert. 9,4 Mio. Euro wurden im Vorjahr für Bedürftige eingenommen. Geschäftsführerin Christine Tschürtz-Kny hofft, dass heuer ein ähnliches Ergebnis erzielt wird: „Wir sind sehr zuversichtlich“, sagte sie zur „Presse“.

Jene Spender, die sich ein Bild machen wollen, was mit ihrer Gabe passiert, können das im Internet tun. Im Rechenschaftsbericht listet „Licht ins Dunkel“ sämtliche Einnahmen und Ausgaben auf. 1,12 Mio. Euro oder 11,9Prozent der eingenommenen Gelder flossen im Vorjahr nicht in die Hände der Ärmsten. Sie gingen für Verwaltung, Bankspesen, das Drucken der Erlagscheine und sonstige Abwicklungskosten drauf. Ein Wert von zehn Prozent gilt im internationalen Vergleich als grober Maßstab. Jene Hilfsorganisationen, die geringere Verwaltungsausgaben haben, gelten als sehr effizient.

Gehälter werden nicht publiziert

Die beiden größten Empfängerinnen von Spendengeldern sind das Rote Kreuz und die Caritas. Die Österreicher überließen ihnen im Vorjahr zusammen 89,3 Mio. Euro. Im Gegensatz zu „Licht ins Dunkel“ listen die beiden Organisationen ihre Verwaltungskosten nicht gesondert auf. „Das ist im Detail schwer zu erheben, weil wir föderalistisch organisiert sind“, sagt Andrea Winter vom Roten Kreuz. Die Landesverbände müssten sich zwar „ganz streng“ vor den Wirtschaftsprüfern rechtfertigen. Veröffentlicht werden diese Zahlen aber nicht.

Die Caritas wiederum listet die Ausgaben nach erbrachten Leistungen auf (unter anderem Sozialarbeit, Flüchtlingsarbeit, Betreuung & Pflege). Ein Kostenpunkt Verwaltung findet sich ebenfalls nicht. „Das beläuft sich auf etwa zehn Prozent“, sagt Gabrielle Sonnleitner von der Caritas. Winter vom Roten Kreuz spricht von „acht bis zwölf Prozent“. Im Detail überprüfen kann der Spender diese Zahlen in beiden Fällen nicht.

Unklar sind auch die Personalausgaben. Die großen Organisationen publizieren die Gehälter ihrer Mitarbeiter nicht. Die Caritas gibt lediglich den Verdienst ihres Präsidenten Franz Küberl bekannt: 3800 Euro netto pro Monat. „Generell liegen die Einkünfte jedenfalls um ein Drittel unter jenen in der Privatwirtschaft“, sagt Sonnleitner. Weniger vage gibt sich Tschürtz-Kny von „Licht ins Dunkel“. Man veröffentliche die Zahlen zwar nicht. „Ich kann es Ihnen aber durchaus sagen: Wir beschäftigen acht Vollzeitmitarbeiter. Jeder bekommt zwischen 1100 und 1300 Euro netto pro Monat.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2010)

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