Mehr Geld für längeres Arbeiten und "Senioren-AMS"

Die Österreicher gehen viel zu früh in Pension. Um das faktische Pensionsantrittsalter allerdings zu steigern, brauche es höhere Anreize und mehr Möglichkeiten für ältere Arbeitnehmer, sagt der Seniorenbund.

(c) AP (Mikhail Metzel)

Wien/Jaz. Die Österreicher gehen viel zu früh in Pension. Diese Tatsache wurde erst Mitte März von der jüngsten OECD-Pensionsstudie neuerlich festgestellt. So liegt das gesetzliche Pensionsantrittsalter hierzulande zwar auf einem mit anderen Ländern vergleichbaren Niveau, das tatsächliche Antrittsalter fällt jedoch deutlich niedriger aus als im OECD-Schnitt (siehe Grafik). Um die Finanzierbarkeit des Systems zu gewährleisten, sei ein Anheben des faktischen Antrittsalters daher unumgänglich, wie Pensionsexperten unisono meinen.

 

Arbeitsgruppen im Ministerium

Inzwischen hat sich diese Problematik auch in der heimischen Politik herumgesprochen. Im zuständigen Sozialministerium sollen bis zum Sommer in Arbeitsgruppen Vorschläge erarbeitet werden. Konkrete Ideen, wie man ältere Arbeitnehmer dazu bringen könnte, länger zu arbeiten, präsentierte am Freitag der ÖVP-Seniorenbund. Er fordert einerseits, dass die Anreize für längeres Arbeiten erhöht und andererseits mehr Jobmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer geschaffen werden.

Für einen höheren Anreiz, später in Pension zu gehen, sollen vor allem erhöhte Zuschläge auf die Rente sorgen, wenn erst nach dem gesetzlichen Antrittsalter in Pension gegangen wird. Derzeit steigt die Pension für jedes Arbeitsjahr, das länger als bis 60/65 im Erwerbsleben verbracht wird, um 4,2Prozent. Dieser Zuschlag soll laut Seniorenbund auf zwölf Prozent erhöht werden. Für den Staat soll es dadurch zu keinen Mehrkosten kommen, da die Pensionen ja später angetreten und länger Beiträge eingezahlt werden.

„Wir wissen, dass ein großes Problem die vorzeitigen Pensionsantritte sind. Aber durch diese Maßnahme wird das durchschnittliche Pensionsantrittsalter ebenfalls gesteigert“, sagt Gertrude Aubauer, stellvertretende Obfrau des Seniorenbundes. Derzeit sind 30.000Pensionisten über dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter noch erwerbstätig.

Um zu verhindern, dass ältere Arbeitnehmer mangels Jobperspektiven in die Frühpension rutschen, sollen als zweite Maßnahme „Senior-Pools“ beim AMS eingerichtet werden. Dort sollen für ältere Arbeitnehmer neue Arbeitsmöglichkeiten erarbeitet werden. „Etwa, dass ältere Bauarbeiter gezielt in Berater für Baumärkte umgeschult werden. Und das Ganze noch, bevor sie einen Bandscheibenvorfall haben“, so Aubauer. Ein ähnliches System würde in Schweden bereits gut funktionieren. Da solche Wechsel mitunter am Berufsschutz scheitern, wonach Arbeitnehmer nicht verpflichtet werden können, Jobs unter ihrer Qualifikation anzunehmen, sollte über diesen „diskutiert“ werden.

„ASVG-Regeln für alle ab 2025“

Zudem fordert der Seniorenbund auch ein möglichst schnelles Ende für bestehende Pensionsprivilegien. „Man kann einem jungen Menschen nicht erklären, warum ein Eisenbahner mit 53 in Pension gehen kann“, so Aubauer. Daher sollen spätestens ab 2025 für alle Österreicher die ASVG-Regeln gelten. Dass ein solcher Vorstoß vor allem an ihrem Parteikollegen, dem Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer, scheitern würde, wisse sie, so Aubauer auf Nachfrage. „Wir werden aber weiterhin dafür kämpfen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2011)

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