Spindelegger holt sich Wirtschaftsberater aus den ÖBB

Johannes Kasal ist für das Italien-Geschäft der Bahn zuständig und liefert eine ÖBB-Seltenheit: positive Zahlen.

Vizekanzler Spindelegger holt sich Wirtschaftsexpertise aus den ÖBB
Vizekanzler Spindelegger holt sich Wirtschaftsexpertise aus den ÖBB
(c) APA/HANS KLAUS TECHT (Hans Klaus Techt)

[Wien/Kor.] Seit der Kür von ÖAAB-Obmann Michael Spindelegger zum ÖVP-Chef ist das Murren des Wirtschaftsflügels in der Partei unüberhörbar. Der neue ÖVP-Chef setze zu viel Augenmerk auf Arbeitnehmer-Interessen, wird moniert. Er habe kein Naheverhältnis zu Wirtschaftstreibenden und also wenig Verständnis für deren Probleme und Anliegen. Was der „Wirtschaftspartei“ ÖVP sicher gut zu Gesicht stünde.

Das dürfte mittlerweile auch Michael Spindelegger so sehen: Er holt sich einen Mann aus der Wirtschaft in sein Kabinett. Der 41jährige Johannes Kasal wird wirtschaftspolitischer Referent des neuen ÖVP-Chefs. Dem Vernehmen nach übernimmt er den Job per 1. Juni.

Stratege mit Auslandserfahrung

Kasal war jahrelang Mitarbeiter bei den Beraterunternehmen Ernst & Young sowie Deloitte, wo er sich auf den Bereich Infrastruktur spezialisiert hatte. Unter ÖBB-Chef Martin Huber wechselte er schließlich zu den Bundesbahnen, wo er zunächst die Funktion des Strategiechefs der ÖBB-Holding innehatte.

Mittlerweile hat er bei der Bahn auch reichlich Auslandserfahrung sammeln dürfen: Für den ÖBB-Güterverkehrsbereich („Rail Cargo“) ist Kasal seit Jahren für das Italien-Engagement verantwortlich. Dem Vernehmen nach erzielt die Rail Cargo dort positive Geschäftsergebnisse.

Trotzdem reichte es nicht für höhere Weihen bei den ÖBB: Als im vergangenen Dezember zwei neue Vorstandsposten für die Rail Cargo ausgeschrieben wurden, bewarb sich Kasal zwar – zum Hearing wurde er allerdings nicht eingeladen. Böse Zungen behaupten, das lag ausschließlich am falschen Parteibuch: Kasal ist – wie sein neuer Chef – Mitglied des ÖAAB und des Cartellverbandes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 3.Mai 2011)

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