Luftfahrtstandort Wien: Politik fehlt klares Konzept

Diskussion. AUA, Niki, der Flughafen und die Hotellerie üben scharfe Kritik an den Behörden.

Wien/Eid. Wenn der Wiener Flughafen und seine beiden Hauptkunden, die AUA und Niki, sowie die Wiener Hotellerie den Luftverkehrsstandort Wien bewerten sollen, dann ist der Schuldige für Mängel rasch gefunden: Die Luftfahrtpolitik. „Die Behörden haben keine klare Strategie“, lautete der Tenor einer vom Travel Industry Club veranstalteten Diskussion am Donnerstagabend in Wien.

Die Chancen, dass sich Wien als europäisches Drehkreuz gegen München und Zürich behaupten bzw. sogar an Bedeutung gewinnen könne, schätzen die Experten eher als schlecht ein. Trotz unterschiedlicher Zugänge und Probleme waren sich die Diskutanten einig: Es gibt kein geordnetes Luftfahrtverkehrskonzept. Und dieses Manko treffe nicht nur Wien, sondern ganz Österreich, zumal gerade die Langstreckenflüge bzw. die Zubringerflüge fast ausschließlich auf Wien konzentriert seien. Niki-Geschäftsführer Otmar Lenz meinte pointiert: „Wir brauchen nicht eine bessere Strategie, wir brauchen überhaupt eine.“ Da hakte AUA-Vorstand Andreas Bierwirth ein: „Es wäre schon von Vorteil, wenn uns keine Prügel in den Weg geworfen würden.“

Bierwirth nannte als Beispiel den monatelangen Kampf um die Flugrechte in Russland, Lenz wiederum berichtete über die Bemühungen von Niki, Gespräche zwischen Österreich und Israel um Flugrechte überhaupt in Gang zu bringen.


Kapazität für zusätzliche Gäste

Flughafen-Interimschef Christoph Herbst räumte zwar Fehler im eigenen Haus ein, er schloss sich aber der Kritik an. So seien das Infrastruktur- und das Umweltministerium bei der Immissionsschutzverordnung säumig, die als wichtige Voraussetzung der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die dritte Piste gilt.

Gerade die dritte Piste sei das augenscheinlichste Resultat politischer Versäumnisse, meinte Michaela Reitterer, die Vorsitzende der Österreichischen Hoteliervereinigung in Wien. Diese Kapazitätserweiterung sei aber unabdingbar: 50 Prozent der Wien-Gäste kämen mit dem Flugzeug. „Wenn wir mehr Gäste wollen, die auch die vielen neuen Hotels füllen sollen, dann brauchen wird auch einen entsprechenden Flughafen“, so Reitterer.

Herbst gab allerdings zu bedenken, dass er mit vielen Einsprüchen gegen den UVP-Bescheid rechne. Vor 2015 dürfte es keinen Baubeginn geben. München baut hingegen bereits an seiner dritten Piste.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2011)

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