Kneissl-Renaissance hängt an Al-Jaber-Millionen

Die Gläubiger haben den Sanierungsplänen für die insolvente Skifabrik zugestimmt. Der Scheich muss binnen 14 Tagen 2,1 Millionen Euro einschießen, sonst wird das Traditionsunternehmen zerschlagen.

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Innsbruck/Wien/Eid. Tote leben länger: Die Skifirma Kneissl, die im Februar zum dritten Mal in ihrer wechselvollen Geschichte in die Pleite geschlittert ist, hat einmal mehr eine Chance zum Neubeginn. Die Gläubiger des Tiroler Traditionsunternehmens haben am Mittwoch den Sanierungsplänen zugestimmt.

Jetzt hängt der Fortbestand ganz an Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber, der 2008 bei Kneissl eingestiegen ist, und der Bank Austria. Bis 15. Juni müssen zwei Bedingungen erfüllt werden, damit das Konkursgericht die Sanierungspläne für die drei insolventen Kneissl-Gesellschaften („Kneissl Tirol GmbH“, „Kneissl Holding GmbH“ und „Kneissl Star Lounge GmbH“) bestätigt. Al Jaber muss 2,125 Mio. Euro auf ein Treuhandkonto von Masseverwalter Stefan Geiler einzahlen. Und die Bank Austria muss eine Rückstehungserklärung über ihre besicherte Forderung beibringen. Das heißt, dass die Bank Austria erklärt, dass sie im Sanierungsplan für sich keine Quotenzahlung beansprucht.

Gespräche mit Interessenten

Wenn nur eine der beiden Bedingungen nicht erfüllt wird, komme es zu Plan B, sagte Klaus Schaller von der Creditreform zur „Presse“. Die Gesellschaften würden verkauft. Sowohl Geiler als auch Kneissl-Geschäftsführer Andreas Gebauer führen schon Gespräche mit Interessenten, um für diesen Fall keine Zeit zu verlieren.

Bei der Holding beträgt die Quote für die Gläubiger 30 Prozent, was 700.000 Euro entspricht. Bei der operativen Kneissl Tirol wurde eine 25-prozentige Quote festgesetzt, für ihre Erfüllung sind 1,078 Mio. Euro erforderlich. Bei der Star Lounge bedarf es 211.000 Euro, um die 100-prozentige Quote zu erfüllen. Die Forderung der Bank Austria von 1,23 Mio. Euro ist dabei nicht berücksichtigt.

Der Skierzeuger ist nach einem monatelangen Tauziehen insolvent geworden, nachdem Al Jaber wiederholt Zahlungsfristen für eine längst zugesagte rettende Kapitalspritze verstreichen ließ. Etliche Gläubiger, darunter der Kneissl-Vorbesitzer und Tiroler Unternehmer Fritz Unterberger, machten Druck und drohten mit Klagen – vergebens.

Am Mittwoch ließ Al Jaber wissen: „Die Chance, die wir nun bekommen haben, werden wir dazu verwenden, um Kneissl zum ersten Mal seit vielen Jahren völlig zu entschulden.“ Mit der Annahme der Sanierungspläne seien „nun alle Voraussetzungen für einen Neustart“ gegeben. Ob das wieder nur ein Lippenbekenntnis ist, wird sich in zwei Wochen weisen. Gebauer konnte dem Vernehmen nach die Frage des Insolvenzrichters, wie ernst es Al Jaber diesmal sei, jedenfalls nicht definitiv beantworten. In einer Aussendung zeigte er sich optimistisch: Der Ball liege nun bei Al Jaber und der Bank Austria. „Ich gehe weiter davon aus, dass Al Jaber seine schriftlichen und mündlichen Zusagen sowie abgegebenen Garantien für die Sanierung fristgerecht einhält und er so unter Beweis stellt, dass ihm Kneissl wirklich am Herzen liegt.“

Al Jaber hat mit der Bank Austria mehrere Rechnungen offen. Die Bank hat unter anderem Pfandrechte auf seine Hotels „The Ring“ und „Grandhotel“ in Wien, die sie exekutieren lässt. Beobachter gehen davon aus, dass es eine Gesamtlösung mit der Bank geben müsse, Kneissl inkludiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2011)

Kommentar zu Artikel:

Kneissl-Renaissance hängt an Al-Jaber-Millionen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen