Kneissl-Sanierung ist geplatzt: Kein Geld von Al Jaber

Skiindustrie. Der letzte Versuch, das Tiroler Traditionsunternehmen zu retten, ist gescheitert. Mehrheitseigentümer Scheich Al Jaber hat die erforderlichen 2,1 Mio. Euro nicht überwiesen. Jetzt wird die Skifabrik liquidiert.

ARCHIVBILD: KNEISSL / MOHAMMED BIN ISSA AL JABER
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KNEISSL – (c) APA/HELMUT FOHRINGER (Helmut Fohringer)

[Kufstein/wien]. Wie lange dauert eine Geldüberweisung in Österreich? Zwei Tage, einen Tag - oder nur ein paar Stunden? Diese Frage stellte sich am Mittwoch nicht nur Rechtsanwalt Stefan Geiler, der als Masseverwalter den Pleitefall Kneissl betreut, sondern auch die Gläubiger, die zumindest auf einen Teil ihres Geldes hofften. Exakt 2,125 Mio. Euro musste Kneissl-Mehrheitseigentümer Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber bis Mittwoch auf das Treuhandkonto Geilers überweisen, um die Skifabrik zu retten.

Mittwoch, 11.30 Uhr: Al Jaber signalisiert seinem Sprecher Alfred Autischer eine Überweisung. 12.30 Uhr: Geiler liegt keine Bestätigung der Überweisung vor. 15.30 Uhr: Nichts. 16 Uhr: Noch immer nichts. Theoretisch läuft die Frist bis Mitternacht - aber nur theoretisch. Wenn ein Geldtransfer nicht bis zum Nachmittag erfolgt, wird er an diesem Tag nicht eingebucht. „Ich gehe nicht mehr davon aus, dass das Geld kommt", sagt Geiler zur „Presse". Der letzte Rettungsversuch von Kneissl sei „gelaufen", die Sanierung des Tiroler Traditionsunternehmens geplatzt.


Im Unterschied zu den bisherigen Fristen, die Al Jaber ungenutzt verstreichen ließ, gibt es dieses Mal kein Wenn und Aber. Außerdem fehlte am Mittwoch auch die zweite Bedingung für die erfolgreiche Umsetzung des Sanierungsplans: Die Einigung mit dem Hauptgläubiger Bank Austria - bei ihr steht Kneissl mit 11,7 Mio. € in der Kreide. Die Bank musste eine sogenannte Rückstehungserklärung beibringen, das heißt, sie musste auf ihre besicherten Forderungen verzichten. Die Bank Austria wartete jedoch auch auf Al Jaber.


Masseverwalter Geiler hat noch am Mittwoch das Handelsgericht informiert, dass Al Jaber nicht gezahlt hat. „Ich gehe davon aus, dass das Gericht das Scheitern der Sanierung spätestens am Freitag offiziell bestätigt." Er muss unverzüglich mit dem Abverkauf von Kneissl beginnen. Lange ist eine Betriebsfortführung angesichts des Geldmangels nicht möglich. Es soll Interessenten geben.

Bank Austria startet Exekution

Der Bank Austria dürfte nun auch bei den anderen Projekten Al Jabers, die sie mitfinanzierte, der Geduldsfaden reißen: Die Bank hat Pfandrechte auf Al Jabers Hotels „The Ring" und „Grandhotel" in Wien, wo Al Jaber bzw. seine Gesellschaft JJA mit neun Mio. Euro in der Kreide steht. Die Bank ließ durchblicken, dass man nun die Exekution einleiten würde.


Al Jaber hat bei Kneissl und den Hotels, zu denen auch die „Baustelle" Hotel Schwarzenberg gehört, und auch bei der Wiener Tourismusschule Modul, wiederholt Zusagen nicht eingehalten und Zahlungsfristen verstreichen lassen. Bei Kneissl führte das in den Konkurs. Auch den Rückkauf jener 25,1 Prozent, die die insolvente R-Quadrat Capital Alpha an der JJA hält, hat Al Jaber angekündigt, aber nicht gemacht.


Warum der Scheich, der schon mit seinem geplatzten Einstieg bei der AUA für Aufsehen sorgte, so agiert - löst bei Geschäftspartnern, Banken und Gläubigerschützern für Rätselraten. Er selbst dementiert Liquiditätsprobleme - dennoch mehren sich Spekulationen darüber. Umso verwunderlicher ist, dass Al Jaber ein fixes Kaufangebot für die ebenfalls in seinem Besitz stehenden Wiener Ringstraßengalerien über 86 Mio. Euro vorliegen hatte, den Kaufvertrag aber nicht unterzeichnete.

 

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