Stahl: Voest schraubt Iran-Geschäfte zurück

Linzer Stahlkocher Voestalpine lieferte im Vorjahr zwei Drittel weniger Stahl in den Iran. Auch das Joint Venture mit jener Firma, die auf der Sanktionsliste der Europäischen Union steht, sei nicht mehr aktiv.

(c) EPA (VOESTALPINE HANDOUT)

Wien./Auer. Eigentlich hätten die Aktionäre des Linzer Stahlkochers Voestalpine auf der heutigen Hauptversammlung allen Grund zum Feiern. Schließlich warf das Unternehmen auch im Vorjahr gute Gewinne ab. Doch nicht alle sind damit einverstanden, wie diese Gewinne zustande kamen. Denn obwohl die EU im Vorjahr schärfere Sanktionen gegen das iranische Regime erlassen hat, um das Atom(waffen)programm zu behindern, liefert der Konzern weiter Stahl ins Land, kritisiert das Bündnis „Stop the Bomb“.

 

Aktionäre zeigen wenig Interesse

Ein besonderer Dorn im Auge ist ihnen das Joint Venture der VA Intertrading (an der die Voest mit 38,5 Prozent beteiligt ist) mit der Hanseatic Trade Trust & Shipping GmbH. Die Schifffahrtslinie befindet sich als einzige deutsche Firma auf der Sanktionsliste der EU. „Wir wollen wissen, was die Voest tut, um diese Geschäftsverbindung zu lösen“, sagt Simone Hartmann, Sprecherin von Stop the Bomb. Rein rechtlich verstößt die Voest gegen keine der EU-Sanktionen, da das Joint Venture bereits bestand, bevor die Sanktionen gegen das Unternehmen erlassen wurden. Mittlerweile habe das Gemeinschaftsunternehmen seine Tätigkeiten im Iran eingestellt, versichert ein Voest-Sprecher.
Auch die anderen Geschäfte mit dem Iran seien „komplett zurückgeschraubt“ worden. Lieferte die Voest 2009/2010 noch Stahl im Wert von 64,5 Mio. Euro in den Iran, so waren es im abgelaufenen Geschäftsjahr um gut zwei Drittel weniger.
Die Eigentümer scheinen sich vom Iran-Engagement des Unternehmens ohnedies nicht in ihrer Investmententscheidung beirren zu lassen. Der Wert der Aktie stieg im vergangenen Jahr um 80 Prozent an. Auch Raiffeisen-Analyst Klaus Küng sieht in den Iran-Geschäften der Voest „einen völligen Non-Event“ für die Anteilseigner. Einige Fondsmanager würden zwar darauf achten, wo das Unternehmen tätig sei. Angesichts des minimalen Geschäftsvolumens im Iran misst Küng dem Thema allerdings keine große Bedeutung bei. Franz Hörl, Analyst von der Erste Bank, sieht in den Iran-Geschäften der Voest nichts, was die Börsen interessieren könnte.

 

Boom der Maschinenbauer

Rein ökonomisch betrachtet blickt der Stahlkocher rosigen Zeiten entgegen. Der Aufschwung der deutschen Auto- und Maschinenbauer kommt der Voest ebenso zugute, wie das anhaltende Wachstum in der Energiebranche. Die schwächelnde Baubranche macht mit rund zehn Prozent nur einen kleinen Teil des Geschäfts aus.
Auch eine drohende Strafe wegen eines Kartells im Bahnbereich (die „Presse“ berichtete) könne das Unternehmen verkraften, ist Hörl überzeugt. Er erwartet ein maximales Strafmaß von 150 Mio. Euro. Weniger als die Voest zuletzt in einem Quartal verdient hat.

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