Baubranche: Die ganze Welt baut auf Österreich

Auslandsengagement: Unternehmen der österreichischen Baubranche sind erfolgreich auf den internationalen Märkten tätig. Und sie setzen dabei auf Mitarbeiter aus der Heimat.

Baubranche ganze Welt baut
Baubranche ganze Welt baut
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Österreichische Baufachleute haben gute Chancen um die Welt zu jetten. Heimische Baufirmen sind rund um den Erdball engagiert. Im nördlichen Indien, am Fuß des Himalaja, arbeitet etwa seit Jahren das Vorarlberger Unternehmen Jäger bei dem Kraftwerksprojekt Parbati mit. Nach dem Bau eines 9050 m langen Druckstollens führt das mittelständische Bauunternehmen jetzt schwierige Ausbruchs- und Betonarbeiten für ein Kavernenkraftwerk durch. „Das Schlüsselpersonal vom Projekt- und Bauleiter bis zum Polier stammt aus Österreich“, berichtet Hanno Konzett von Jäger-Bau.

Tunnelbau als Eintrittskarte

Dass die Vorarlberger nach Indien gekommen sind, hat mit ihrem Tunnelbau-Know-how zu tun, das sie sich bei zahlreichen Projekten in den Alpen angeeignet haben, erläutert Konzett: „Ursprünglich kontaktierte uns eine indische Firma, die ein Unternehmen mit  Erfahrungen für eine spezielle Tunnelbohrmaschine suchte.“ Die ersten Aufträge in Indien wurden noch mit diesem Partner durchgeführt. Mittlerweile hat Jäger in dem asiatischen Land Fuß gefasst und eine eigene Niederlassung in Delhi gegründet. Rund 30 Prozent seines Umsatzes erzielt Jäger im Ausland, wobei die wichtigsten Märkte sehr nahe liegen: Vorwiegend ist man in der Schweiz und in Deutschland tätig.

Jäger-Mitarbeiter könnten allerdings nicht nur dort, sondern auch in Indien Kollegen aus Österreich treffen. Einige hundert Kilometer nördlich des Kraftwerkprojekts Parbati ist der österreichische Strabag-Konzern am Bau des 8,8 km langen Rohtang-Pass-Highway-Tunnels beteiligt. Der österreichische Konzern baut auch an einem 3,2 Kilometer langen Tunnel und zwei U-Bahn-Bahnhöfen für die Metro Delhi mit. Weitere Aufträge in Indien hat man im Auge, das Land zählt für den Konzern mit Hauptsitz in Wien zu einem wichtigen Zielgebiet.

Die Strabag ist das internationalste der österreichischen Bauunternehmen. Im Vorjahr wurden 85 Prozent des Umsatzes von rund 13 Milliarden Euro im Ausland erzielt. Der österreichische Konzern wird in vielen Ländern, „als lokales Bauunternehmen mit lokalen Markennamen wahrgenommen“, so Pressesprecherin Diana Klein. In Deutschland etwa arbeitet die heutige Strabag-Tocher Züblin, ein alteingesessenes Unternehmen, in Skandinavien die schwedische Tochtergesellschaft Oden Anläggningsentreprenad. Mehr als 200 Gesellschaften gehören rund um den Globus zum Konzern. Während die Strabag ein international tätiger Konzern mit Sitz in Österreich ist, hat das drittgrößte heimische Bauunternehmen nach wie vor ein starkes Standbein im Inland: Die Alpine, die unter anderem in Indien und Singapur U-Bahn-Tunnels baut, erbringt noch rund 47 Prozent ihrer Bauleistungen im Inland. Die Internationalisierung sieht Unternehmenssprecherin Karin Keglevich aber angesichts des schrumpfenden Inlandsmarktes „als wichtigen Schritt, um zu wachsen“. Konzentrieren will sich die Alpine neben Deutschland auf Märkte, in denen die Baukonjunktur gut ist wie Polen, Russland und Indien, „aber auch Südosteuropa, wo es hohen Infrastrukturnachholbedarf gibt, bleibt im Fokus“, so Keglevich.

Nicht nur heimische Bauunternehmen, auch ihrer Planerkollegen arbeiten international. Nach Plänen der Innsbrucker Posch & Partner Consulting Engineers werden Wasserversorgungs- und Abwasserprojekte für Städte in Äthiopien, ein Kraftwerk in Kenia gebaut oder ein Flusssanierungsprojekt in Kasachstan durchgeführt. „Wir arbeiten bei diesen Projekten mit jeweils lokalen sowie internationalen Experten zusammen. Das Projektmanagement liegt bei uns, und das Stammpersonal aus Innsbruck ist immer wieder vor Ort“, erzählt  Projektingenieur Stephan Oberpichler.

Wachstums- und Krisenregionen

Ganz ungefährlich sind die Jobs im Ausland nicht. Aus Libyen mussten mehrere Strabag-Mitarbeiter auf abenteuerliche Weise evakuiert werden. Auch der oberösterreichische Zementerzeuger Asamer brachte über 40 Expats aus Libyen mit Flugzeug und Schiff nach Hause. Aufgegeben wird das Land aber nicht. Die Strabag will demnächst ein Projektteam nach Libyen entsenden, um zu entscheiden, wann die Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Auch Asamer möchte seine drei Zementwerke vor Ort möglichst bald wieder hochfahren. Mittlerweile schickt das Unternehmen Medikamente und Babynahrung nach Bengasi. Verteilt werden die  Hilfsgüter von den noch zur Untätigkeit gezwungenen libyschen Mitarbeitern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2011)

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