Peter Hocheggers Knebelvertrag mit den ÖBB

Für ein dreitägiges Event in der Stadthalle hat Hocheggers Agentur 1,4 Millionen Euro kassiert. Für jeden anderen Berater mussten die ÖBB Pönale zahlen - nur eines von vielen Privilegien, die sich Hochegger sicherte.

Hochegger OeBB Vertrag
Hochegger OeBB Vertrag
Peter Hochegger – (c) APA/ROLAND SCHLAGER (Roland Schlager)

Der Lobbyist Peter Hochegger, zentrale Figur in diversen Korruptionsskandalen, hatte einen sehr privilegierten Vertrag mit den ÖBB in der Amtszeit von Bahnchef Martin Huber. Die Vereinbarung wurde laut einem Bericht des "Standard" im Jahr 2005 geschlossen und enthielt zahlreiche Zuckerl. Huber wurde unter der Regierung Schüssel (ÖVP) bestellt.

Demnach hatte Hochegger für den 7,5 Mio. Euro schweren ÖBB-Vertrag umfangreiche Exklusivrechte. Abgeschlossen hatte den Vertrag dem Bericht zufolge ÖBB-Kommunikationsleiterin Birgit Fischer-Drapela. Sie ist die Ehefrau des ehemaligen Telekom-Fetnetzvorstandes Rudolf Fischer, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Kursmanipulation ermittelt. Auch Immobiliengeschäfte im Umfeld von Huber und Fischer werden derzeit beleuchtet. Beide hatten Ungereimtheiten bei Immodeals zurück gewiesen.

Pönale bei anderen Beratern

Laut "Standard" sah das Agreement Exklusivität für Hochegger.com bzw. diverse Ableger dieser Agentur vor, etwa die 2006 mit negativem Eigenkapital liquidierte Maxxx.communications. Für jeden abseits des Hochegger-Agenturnetzwerks beschäftigten Berater sei Hochegger eine Pönalezahlung in Höhe des an Dritte vergebenen Honorars zugesichert gewesen.

Neben einzeln verrechneten Leistungen - von "Personality Beratung" und Coaching für einzelne Vorstandsdirektoren und Geschäftsführer diverser ÖBB-Konzerngesellschaften bis zu internen Informationsveranstaltungen - habe es eine "monatliche Grundbetreuung" gegeben, die pauschal abgerechnet wurde und mit 150.000 bis 200.000 Euro zu Buche schlug, erzählen ehemalige ÖBB-Führungskräfte laut Zeitung.

"Geschmalzene" Honorare

Die Honorare, die der Rechnungshof seit Juni 2011 prüft, seien teils "geschmalzen" gewesen: Drei Mitarbeitertage, bei denen einige tausend Eisenbahner in der Wiener Stadthalle bei Musik und Würstel auf die neue Bahnführung eingeschworen wurden, hätten 1,4 Mio. Euro gekostet. Den Exklusivvertrag loszuwerden, war für Hubers Nachfolger an der ÖBB-Spitze, Peter Klugar, nicht leicht. Die Bahn musste nach der Kündigung sechs Monate weiterzahlen, schreibt die Zeitung.

Der Bericht ruft auch einen Eklat im September 2006 wieder in Erinnerung. Damals gab es zwar bei 44.000 Beschäftigen nur 4000 Anmeldungen für den Mitarbeitertag in der Stadthalle, dafür waren auch Nicht-ÖBBler vor Ort - um für die ÖBB zu demonstrieren. Auf Anfrage der APA, ob sie bei der Bahn beschäftigt sind, reagierten die "ÖBB-Fans" sehr gereizt und gaben keine Auskunft dazu. Genehmigt war die Kundgebung laut Polizei nicht. Auf APA-Nachfrage hieß es von der Staatsbahn, die ÖBB-Groupies seien "Teil der Veranstaltung". Organisiert wurde die "Fan-Meile" damals von der Agentur Hochegger.

(APA)

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