Telekom-Affäre: Scheingeschäfte ohne Ende

Kronzeuge Schieszler hat auch ohne Partner Hochegger selbst Deals gemacht. Die Konzern-Taskforce hat dazu eine brisante Rechnung über 585.600 Euro entdeckt.

THEMENBILD / ARCHIVBILD: TELEKOM AUSTRIA
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(c) APA/HELMUT FOHRINGER (Helmut Fohringer)

Über eine „Firma in der Firma" haben die Telekom-Austria-Manager Rudolf Fischer und Gernot Schieszler mit dem Lobbyisten Peter Hochegger jahrelang Scheingeschäfte betrieben und Millionen vom Konzern an Politiker und Parteien verteilt. Der Schaden, der der Telekom (TA) entstanden ist, dürfte weit über die neun Mio. Euro hinausgehen, die jene Taskforce bisher entdeckte, die Konzernchef Hannes Ametsreiter im Vorjahr eingesetzt hat. Je tiefer die Experten graben, desto öfter stoßen sie auf Ungereimtheiten.

Die neueste Entdeckung: Die Werbeagentur Euro RSCG hat der Telekom am 20. Juni 2007 eine Rechnung über 585.600 Euro (inklusive Umsatzsteuer) gelegt, wie TA-Sprecherin Elisabeth Mattes der „Presse" bestätigt. Offiziell floss das Geld, für das Schieszler und der damalige Festnetz-Marketingchef der TA, Stefan Tweraser, ihre Zustimmung gaben, für die „strategische Konzeption des Sponsoring-Auftritts der Telekom Austria im Rahmen der Euro 2008". Auch ein auf exakt dieselbe Summe lautender Kostenvorschlag enthält die Unterschrift Schieszlers, wie aus der „Presse" zugespielten Unterlagen hervorgeht.

Faktum ist, dass die Euro RSCG jahrelang die Werbeagentur der TA-Festnetz-Sparte war. Faktum ist auch, dass die TA einer der Großsponsoren der Fußball-Europameisterschaft war. Allerdings hat die Taskforce im Zuge ihrer forensischen Prüfung bei dieser konkreten Rechnung „keine entsprechende nachvollziehbare Leistung" gefunden, sagt Mattes.

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Diese nun gefundene Rechnung ist auch deshalb bemerkenswert, weil die TA von den bisher bekannten dubiosen Geschäften, die großteils über Hocheggers Firma Valora abgewickelt worden waren, einen Nutzen hatte bzw. diesen zumindest angestrebt hatte.

Unter diesem Aspekt sind etwa jene 264.000 Euro an Ex-Verkehrsminister Hubert Gorbach (bzw. seine Sekretärin) zu sehen. Gorbach soll dafür die Universaldienstverordnung im Sinne der TA novelliert haben - was dieser bisher vehement bestritt. Mit rund 400.000 Euro an den Ex-FPÖ-Telekomsprecher Klaus Wittauer sollte wiederum die von der TA geplante Übernahme der eTel Austria geebnet werden.

Kein Vorteil für die Telekom

Bei der halben Million an die RSCG scheint hingegen auch eine indirekte Leistung zu fehlen. Vielmehr halten sich Gerüchte, dass ein Teil der Summe in den Dunstkreis der TA zurückgeflossen sein soll. Schieszlers Anwalt Stefan Prochaska hält sich bedeckt: Er könne aufgrund der laufenden Ermittlungen nichts dazu sagen. Prochaska hatte schon vor einigen Wochen gemeint, dass sein Mandant, der in der Telekom-Affäre höchstwahrscheinlich Kronzeuge wird, der Staatsanwaltschaft Wien mehr gesagt habe, als bisher bekannt wurde. Das sei erst die Spitze des Eisberges. Für Schieszler und alle anderen Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Euro-RSCG-Geschäftsführer Gustav Eder-Neuhauser stellt ein Scheingeschäft in Abrede. Er könne sich nicht an Details erinnern, aber, „dass wir im Vorfeld der Euro etwas gemacht haben". Es seien auch öfter hohe Rechnungen gestellt worden, immerhin habe die RSCG für die TA-Festnetzsparte pro Jahr einen Werbeetat von rund zwei Mio. Euro bewegt.

Mit Schieszler habe er keine freundschaftliche Beziehung unterhalten, dementiert Eder-Neuhauser überdies Gerüchte, wonach es gemeinsame Urlaube gegeben habe. Es sei höchstens um eine Einladung in sein Haus am Ötscher gegangen, „was ich oft für Kunden mache".

Die Zusammenarbeit zwischen der RSCG und der TA wurde übrigens im Jänner 2011 beendet, nachdem das Festnetz und der Mobilfunk fusioniert worden waren und das gesamte Werbevolumen zur Nitsche Werbe GmbH gewandert ist, die bis dato den Mobilfunk betreut hatte. „Wir sind, wenn Sie so wollen, ein Fusionsopfer", sagt Eder-Neuhauser. Interessantes Detail: Laszlo Jakabffy, der die Hochegger.com-Nachfolge-Agentur Martrix bis zu deren Konkurs und anschließender Liquidation im Frühjahr 2011 geleitet hatte, ist nun laut dem Branchen-Medium Observer bei der RSCG tätig.

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