Bankenexodus aus Weißrussland: Raiffeisen bleibt und sichert sich ab

Wegen der Rubel-Abwertung droht weißrussischen Banken der Kollaps. Fast alle westlichen Großbanken haben sich verabschiedet. Raiffeisen hält aber ihre Präsenz. Tochter erzielt dort einen Gewinn von 54 Mio. Euro.

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(c) EPA (ARMANDO BABANI)

Wien/Höll. Fast alle westlichen Großbanken haben sich aus Weißrussland verabschiedet. Nach der „Royal Bank of Scotland“ wollen jetzt auch die Deutsche Bank und die französische BNP Paribas mit dem autoritären Regime von Alexander Lukaschenko keine Geschäfte mehr machen. Sie beugen sich dem Druck von Menschenrechtsorganisationen. Die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) hält dagegen ihre Präsenz in der „letzten Diktatur Europas“, wie das Land genannt wird, aufrecht.
Lukaschenko hat im Vorjahr die Präsidentschaftswahlen manipuliert und Proteste brutal niedergeschlagen. „Wir planen keinen Rückzug“, sagt RBI-Sprecher Michael Palzer. Seinen Angaben zufolge sei die Situation von Raiffeisen mit der Deutschen Bank und mit BNP Paribas nicht vergleichbar. So hat die Deutsche Bank der Regierung in Minsk geholfen, Staatsanleihen zu verkaufen. Raiffeisen dagegen konzentriert sich in Weißrussland auf das Privat- und Firmenkundengeschäft.
Das Engagement der Deutschen Bank sorgte weltweit für Proteste. Medienberichten zufolge setzte sich auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür ein, dass die Geschäfte beendet werden. Da das schwer angeschlagene Land vom Internationalen Währungsfonds kein Geld mehr bekommt, war das Lukaschenko-Regime unter anderem auf die Einnahmen aus den Anleihen angewiesen. In dem osteuropäischen Land droht nun ein Bankenzusammenbruch. Wegen der starken Rubel-Abwertung sind die Eigenkapitalreserven gefährlich gesunken, warnen die Institute in einem Brief an die Nationalbank.
Seit Jahresbeginn hat der weißrussische Rubel gegenüber dem Euro und dem US-Dollar massiv an Wert verloren. Die Banken sind verpflichtet, das Eigenkapital in lokaler Währung zu halten. RBI-Sprecher Palzer möchte die aktuelle Situation nicht kommentieren: „Wir haben uns aber gegen die Rubel-Abwertung großteils abgesichert.“ Wie viel die Absicherungsgeschäfte kosten, sagt er nicht.

Österreich ist zweitgrößter Investor

Bislang hat die weißrussische Tochter, die unter dem Namen Priorbank auftritt, gut verdient. Im ersten Halbjahr 2011 erzielte sie einen Gewinn von 54 Mio. Euro und lag damit im RBI-Netzwerk auf Platz drei. Nur in Russland und in der Slowakei lief es noch besser. Die Priorbank beschäftigt in 99 Filialen über 2000 Mitarbeiter. „Sie haben sehr viel für Weißrussland und unsere Ökonomie getan“, sagte Lukaschenko zu RBI-Chef Herbert Stepic, als er ihm 2007 den Orden für Völkerfreundschaft verlieh.
Laut weißrussischen Angaben ist Österreich nach Russland der zweitgrößte Investor. Auch die Telekom Austria ist dort stark vertreten. Sie kaufte für über eine Mrd. Euro den weißrussischen Anbieter Velcom.

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