Telekom vor Expansion in Bulgarien

Der zweitgrößte bulgarische Mobilfunker Vivacom steht zum Verkauf. Die Telekom Austria würde mit der Übernahme ins Festnetzgeschäft einsteigen können.

Symbolbild Telekom Austria
Symbolbild Telekom Austria
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

[WIEN] Vier Jahre nach dem letzten großen Expansionsschritt – dem Kauf der weißrussischen Velcom um 1,4 Mrd. Euro und dem gescheiterten Einstieg bei der Telekom Srbija im Vorjahr – eröffnet sich für die Telekom Austria (TA) wieder eine große Chance, am Balkan zu expandieren. Der zweitgrößte bulgarische Telekomkonzern Vivacom mit Festnetz und Mobilfunk steht zum Verkauf. Und die TA gilt als Favorit.

Die TA ist schon in Bulgarien mit der MobilTel aktiv. Diesen Handynetzbetreiber hat sie 2005 von einer Investorengruppe unter Führung von Martin Schlaff um 1,6 Mrd. Euro gekauft. MobilTel ist inzwischen mit rund 5,2 Millionen Kunden und einem Umsatz von mehr als 500 Mio. Euro (die endgültigen Ergebnisse für 2011 liegen noch nicht vor) der Marktführer. Die Nummer zwei ist Globul, die Tochtergesellschaft der griechischen Cosmote (OTE).

Allerdings betreibt die MobilTel nur Mobilfunk. Das Festnetzgeschäft der Vivacom ist denn auch das Objekt der Begierde für die TA. Da erwartet man sich große Synergien.

Ein Kaufpreis wird derzeit weder von der Investmentbank Morgan Stanley, die mit der Abwicklung des Deals betraut worden ist, noch in der Branche kolportiert. Denn die Vivacom hat mit 1,65 Mrd. Euro einen enormen Schuldenberg angehäuft, der sie sogar in Konkursgefahr gebracht hat. Deshalb geht es bei einem Kauf weniger um einen guten Preis als um die Übernahme der Schulden und die Restrukturierung.

Mehrfacher Eigentümerwechsel

 Vivacom hat eine bewegte Eigentümergeschichte hinter sich: Die ursprüngliche Bulgarian Telecommunications Company (BTC) wurde im Zuge der Teilung der bulgarischen Post und Telekom an den Investmentfonds Viva Ventures verkauft. Dann kam 2005 der isländische Fonds Novator, der die Vivacom nur zwei Jahre später an den US-Versicherer AIG weiterreichte. Im Zuge der AIG-Pleite stieg dann der chinesische Unternehmer Richard Li ein. Li – übrigens der Sohn von Hutchison-Boss Li Ka-Shing – will kein Geld mehr einschießen, weshalb die Firma nun zum Verkauf steht. Mit Dumpingpreisen hat die Vivacom zuletzt versucht, Kunden zu halten. Das hat aber auch die MobilTel und deren Erträge damit in Gefahr gebracht.

Bei einer ersten Runde Ende November haben neben der Telekom auch andere Bewerber Interesse gezeigt. Es sollen dies die Turkcell und die Türk Telekom sein sowie der bulgarische Banker Tsvetan Wassilew. Er ist Aktionär der KTBank, hat darüber hinaus aber vielseitige andere wirtschaftliche Interessen. So etwa gilt er als neuer bulgarischer  Medienmogul, da er die Übernahme vieler Medienunternehmen finanziert. Wassilew, der auch als Vertrauter der bulgarischen Regierung gilt, soll aber nicht direkt, sondern im Rahmen eines Konsortiums für die Vivacom bieten.

Trauma Weißrussland

 Mit den Türken und Wassilew dürfte sich die Telekom auch matchen müssen, wenn sie mit einem verbindlichen Offert in den Ring steigt. Morgan Stanley will den Verkaufsprozess im ersten Quartal dieses Jahres abschließen. Ganz sicher ist ein Offert der TA allerdings noch nicht. Während Analysten und Investmentbanker wie auch Teile des Managements – und vor allem der neue Aktionär Ronny Pecik – den Kauf befürworten, weil er eine lange vermisste Expansionsperspektive darstellt, soll Finanzvorstand Hans Tschuden auf der Bremse stehen. Der Grund: Das Engagement der TA in Weißrussland belastet wegen der Abwertung des weißrussischen Rubels die Ertragslage der TA schwer. Tschuden fürchtet offenbar einen neuen Klotz am Bein.

Eine weitere Hürde ist das Kartellgesetz. Die Übernahme der Vivacom würde die Marktmacht der MobilTel vergrößern. Das würden die bulgarischen und die EU-Kartellbehörden nicht zulassen. Deshalb überlegt die TA folgenden Plan: Im Fall des Zuschlags würde sie Vivacom sanieren und voraussichtlich in zwei Jahren den Mobilfunkteil weiterverkaufen. Der Erlös würde die Übernahmekosten decken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)

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