Stronach will Flat Tax für Österreich

Der Austrokanadier Frank Stronach plant die Gründung einer Partei: Deren Politiker müssen sich verpflichten, keine Schulden zu machen, oder zurücktreten. Verwaltung soll radikal verschlankt werden.

(c) APA (HARALD SCHNEIDER)

Wien/Graz/Red. Der alte Mann bleibt unzufrieden. „Wir haben keine wirkliche Demokratie in Österreich“, wettert der im 80. Lebensjahr stehende Frank Stronach. Er orte eine „Scheindemokratie, in der Kammern und Gewerkschaften alles untereinander ausmachen“, so der Magna-Gründer in einem Interview in „Primus“, dem neuen Wirtschaftsmagazin der „Kleinen Zeitung“.

Nachdem Stronach schon im November vergangenen Jahres – vor allem an die Jugend gerichtet – zu einer „Revolution des Denkens“ aufgerufen hatte, spitzt er seine Kritik an der österreichischen Politik jetzt weiter zu. „Es hat den Anschein, dass man in Österreich versucht, einen Klassenkampf zu provozieren“, kritisiert er das Sparpaket der Regierung und fordert eine Reform des Steuersystems.

 

Ruf nach Flat Tax

Es sei „eine Riesenungerechtigkeit, dass Unternehmen Verluste von Auslandstöchtern in Österreich steuermindernd geltend machen können“. Dadurch verliere Österreich Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Stronachs Fazit: „Unser Steuersystem ist kompliziert, ungerecht und hat viele Schlupflöcher.“

Erneut fordert der Industrielle daher eine Flat Tax in der Höhe von 20Prozent. Parallel sollte die Verwaltung radikal verschlankt werden. Minus zehn Prozent in den kommenden fünf Jahren nennt Stronach als Ziel. Kurioser Ansatz: Die nicht mehr benötigten Beamten sollten jedes Jahr fünf Prozent weniger Gehalt bekommen– „aber bitte zu Hause bleiben und sich in der Privatwirtschaft einen Job suchen“. Bei Erfolg sollten sie nach Stronachs Plänen eine Prämie bekommen.

Zusammen mit einer Eindämmung der Gesetzesflut sind das die Kernpunkte eines präsumtiven Parteiprogramms, das der Austrokanadier vorlegt und für das er jetzt erneut auf die Suche nach Unterstützern geht, um möglicherweise schon bei der Nationalratswahl 2013 antreten zu können.

Das Anforderungsprofil ist streng: Die engagierten Politiker müssen einen Ehrenkodex unterzeichnen, keine Schulden mehr zu machen. Und wenn doch? „Dann müssen sie zurücktreten.“

 

Forschungsinstitute gegründet

Stronach selbst will aber nicht Kopf einer möglichen Partei sein. Leute sollen unter anderem über universitäre Thinktanks andocken. So hat der gebürtige Steirer schon im Herbst an der Grazer Karl-Franzens-Universität ein Institut für sozialökonomische Gerechtigkeit initiiert, das sich reformpolitischen Themen widmen soll.

Ein ähnliches Institut wurde zu Wochenbeginn auch an der Universität Innsbruck aus der Taufe gehoben. Das Forschungszentrum „Strategische Führung, Innovation und Marke“ wird mit 150.000 Euro unterstützt. Forschungsschwerpunkt ist die Frage, wie Weisheit und Kreativität einer Masse von Menschen genützt werden können, um neue Ideen zu generieren. Gestern, Mittwoch, wurde auch ein entsprechendes Institut an der Wirtschafts-Uni Wien eröffnet.

Heute, Donnerstag, diskutiert Stronach im Rahmen eines „Presse-Rechtspanoramas“ an der Karl-Franzens-Universität Graz zum Thema „Recht auf Gewinnbeteiligung für Mitarbeiter“ (18.30Uhr, Resowi-Zentrum).

In der Warteschleife sind indessen diverse Projekte, die Stronach mehrmals angekündigt hat. So sind in der Nähe von Graz ein Batteriewerk und ein Gesundheitszentrum in Planung, im niederösterreichischen Ebreichsdorf ist ein Unterhaltungspark für Familien im Entstehen. In Sachen Glücksspiel hat sein Bieterkonsortium zuletzt gegen die Lizenzvergabe in Niederösterreich geklagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2012)

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