Der Immobilienboom ist vorbei

In vielen Ländern Europas gibt es Warnungen vor einem Platzen der Immobilienblase. Falls diese platzt, stehen den Banken immense Abschreibungen bevor. In Österreich sieht die Nationalbank dafür keinen Grund.

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Wien/Höll. In immer mehr Ländern Europas geht die Angst vor einer Immobilienblase um. Falls diese platzt, stehen den Banken immense Abschreibungen bevor. In der Schweiz kursieren Listen von 102 Städten und Gemeinden, in denen eine Überhitzung droht. In Deutschland wird die Regierung Anfang Mai einen „Ausschuss für die Finanzstabilität“ einrichten. Das Expertengremium soll frühzeitig vor möglichen Gefahren warnen. Dabei wird es auch um die Lage am Immobiliensektor gehen. Laut dem Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank seien am deutschen Wohnungsmarkt Übertreibungen erkennbar. Schuld daran sei unter anderem die Europäische Zentralbank (EZB), die gerade die Märkte mit Geld flutet.

Mieten steigen nicht so stark

Auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) beobachtet verstärkt die Lage am Immobilienmarkt. Am Donnerstag präsentierte die OeNB den von Professor Wolfgang Feilmayr (Technische Universität Wien) und der Austria Immobilienbörse (AIB) entwickelten Immobilienindex. Demnach sind vor allem in Wien die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen regelrecht explodiert. Wurde Anfang 2000 der Wert für eine gebrauchte Eigentumswohnung bei 100 angesetzt, so hat sich dieser auf 173,59 erhöht. Vor allem seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 ziehen die Preise an.

Für neue Eigentumswohnungen in Wien haben sich die Preise seit 2000 um 51,68 Prozent erhöht. Auch das liegt über der Inflationsrate, die seit dem Jahr 2000 rund 26,3 Prozent kumuliert erreicht hat. Die Leute haben Angst vor einer Geldentwertung, sagt AIB-Präsident Thomas Schwarz. Viele lösen ihre Ersparnisse auf, um sich eine Wohnung zu kaufen. In sehr guten Lagen wie im ersten Bezirk gab es bei den Preisen eine Verdoppelung. Bei freien Mieten gab es diese Entwicklung nicht. Diese sind in Wien vom Basiswert 100 im Jahr 2000 nur auf 127,08 geklettert und entsprechen damit fast der Inflationsrate.

Wie es weitergehen wird, hänge laut Schwarz von der Entwicklung in der Eurozone ab. Doch der AIB-Präsident erwartet nicht mehr so starke Preisanstiege wie in der Vergangenheit. „Die Lage wird sich beruhigen“, so Schwarz. Es dürfte eine Verflachung eintreten. Als Anlageprodukte eignen sich Immobilien immer weniger, da sich kaum noch vernünftige Renditen erzielen lassen. „Doch das interessiert die Käufer von Wohnungen und Häusern auch gar nicht so sehr“, sagt Schwarz. Den meisten gehe es darum, sich vor einer Geldentwertung zu schützen.

In Österreich ist bei Immobilien ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land feststellbar. Während in den Ballungszentren um die Landeshauptstädte sowie in noblen Fremdenverkehrsorten die Preise in die Höhe geschossen sind, gab es in vielen ländlichen Gegenden eine andere Entwicklung. Dort stehen Häuser leer.

Nationalbank gibt Entwarnung

Trotz der starken Preissteigerungen in den Städten sieht die Nationalbank (OeNB) keinen Grund, um vor einer Immobilienblase zu warnen. Denn anders als in den USA oder in Spanien seien in Österreich die Käufe nicht so stark fremdfinanziert worden, betont OeNB-Chefökonom Peter Mooslechner bei der Präsentation der Immobilienstudie. In den USA haben Privatleute den Erwerb von Wohnungen teilweise zu 100 Prozent über einen Bankkredit finanziert. In Österreich dagegen achten die Banken darauf, dass Kreditnehmer auch über einen größeren Eigenmittelanteil verfügen.

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