Skylink: Der rot-schwarze Millionenskandal

Vier Jahre später und doppelt so teuer wie geplant geht der neue Terminal des Wiener Flughafens nach monatelangen Tests mit Statisten am Dienstag in Betrieb. Das Debakel wird das Unternehmen noch Jahre spüren.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Neue Flughäfen haben ihre Tücken – wie sich gerade in Berlin zeigt. Aber auch „nur“ ein neuer Terminal ist kein Bauwerk wie jedes andere, wie man in Wien weiß. Wenn der Skylink des Wiener Flughafens nach monatelangen Tests mit Statisten am Dienstag um 3.30 Uhr in Betrieb geht, endet eine viele Jahre dauernde Planungs- und Bauzeit, die von Chaos, Korruption, Misswirtschaft und Schlamperei geprägt war.

Jänner 2012: Ein Terminal im Trockentest



Die Folgen – Fertigstellung vier Jahre später als geplant und Verdoppelung der Kosten auf knapp 800 Mio. Euro – wird der Flughafen noch lange spüren. Die hohen Abschreibungen für das Projekt haben erst heuer begonnen und werden viele Jahre tiefe Löcher in die Bilanz reißen. Außerdem sind eine Reihe von Schadenersatzklagen anhängig. Das Desaster rund um den Skylink lässt sich deshalb auch durch eine Namensänderung nicht vergessen: Letzte Woche wurde der Terminal offiziell in „Check-in 3“ umbenannt – landläufig dürfte die riesige schwarze Schachtel aber immer Skylink genannt werden.

Chaotische Planung

Begonnen hatte die Skylink-Skandalsaga jedoch lange vor dem ersten Spatenstich. Schon die Planung stand unter keinem guten Stern, wie der Rechnungshof (RH) in seinem vernichtenden Prüfbericht später feststellte: Zuerst war der Skylink doppelt so groß geplant. Nach den Terrorattacken vom 11. September 2001, die einen drastischen Einbruch im Luftverkehr verursachten, wurde das Projekt verkleinert – die Neuplanung verschlang Unsummen. Bei der Auswahl des Architektenteams gab es Zoff: Die unterlegene Arge Frank & Partner fand viele ihrer Ideen beim siegreichen Konkurrenzprojekt verwirklicht, klagte daraufhin und erhielt sieben Jahre später vom OGH Recht.

Bei der Grundsteinlegung 2006 bezifferte der damalige Flughafen-Chef Herbert Kaufmann die Kosten mit 400 Mio. Euro. Fertig sollte der Skylink 2008 werden – zur Fußball-Europameisterschaft in Wien. Ein Jahr später kursierten schon Kosten in Höhe von 513 Mio. Euro. Der damalige Finanzvorstand Christian Domany sprach im Sommer 2008 plötzlich von 657 Mio. Euro und einer Inbetriebnahme ab Oktober 2009.

Anfang 2009 eskalierte die Situation: Domany wurde im Februar 2009 über Nacht abgelöst – von Ernest Gabmann, dem Stellvertreter von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP). Gabmann repräsentierte die schwarze Reichshälfte des von den Ländern Wien und Niederösterreich dominierten Flughafens, Kaufmann und Technikvorstand Gerhard Schmid das SPÖ-regierte Wien. Als Gerüchte über das „Milliardengrab Skylink“ immer lauter wurden und sich Medienberichte häuften, konnte das Management nicht mehr wegschauen. 830 Mio. Euro lautete die Kostenschätzung, nachdem Gabmann einen Kassasturz machen ließ und im Sommer 2009 einen Baustopp verhängte, um die Verträge mit den beteiligten Unternehmen neu zu verhandeln. Dennoch wurden die Verträge von Kaufmann und Schmid verlängert, was den Flughafen jetzt teuer zu stehen kommt.

Justiz ermittelt weiter

Der Paukenschlag kam im Juli 2009, als die Staatsanwaltschaft Korneuburg aufgrund diverser Anzeigen Ermittlungen wegen Untreue und Betrugs aufnahm. Das bei 35 Razzien festgestellte Material werde noch immer ausgewertet, bestätigte Staatsanwalt Karl Schober der „Presse“. Die Causa Skylink füllt 160 Meter Aktenordner. Erst auf Druck von BZÖ und Grünen und nach einem politischen „Tauschgeschäft“ durften die Rechnungshofprüfer im Oktober 2009 ins Haus.

Deren scharfes Resümee – Fehlplanung, Missmanagement, fehlender Generalunternehmer, hohe Konsulentenhonorare, Nichteinbeziehung der Schnittstellenprojekte in die Kalkulation – beschleunigte die Ablöse von Kaufmann, Schmid und Gabmann Ende 2010. Die beiden ersteren erhielten jedoch lukrative Konsulentenverträge, Gabmann kämpft noch darum.
Im September 2011 trat das neue Vorstandsduo Julian Jäger und Günther Ofner an. Sie setzten alles daran, die Kosten unter 800 Mio. Euro zu drücken und den Eröffnungstermin einzuhalten.

Auf einen Blick

Der neue Terminal Skylink des Wiener Flughafens geht heute, Dienstag, mit vier Jahren Verspätung in Betrieb. Die Kosten liegen mit knapp 800 Mio. Euro doppelt so hoch wie geplant. Hauptnutzer sind die AUA und ihre Star-Allianz-Partner, etwa Lufthansa und Swiss. Auf 150.000 Quadratmetern Fläche gibt es neue Shops und Restaurants.
Infos unter www.viennaairport.com/terminal.

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