Österreich ist teurer als Deutschland

Manche Produkte kosten in Wien um 100 Prozent mehr als in München, sagt die AK. Sie vermutet einen geheimen „Österreich-Aufschlag“ im Einzelhandel, der nicht durch die Preisentwicklung in Europa erklärbar sei.

Symbolbild
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(c) APA/G�NTER ARTINGER (G�NTER ARTINGER)

Wien/Jil/Juk. Sollten im Zuge der Schulden- und Eurokrise tatsächlich die Grenzkontrollen in Europa wieder eingeführt werden – manchen Konsumenten in Österreich dürfte das gar nicht recht sein: jenen, die schon wegen einer Flasche Coca-Cola auch einmal nach Deutschland fahren – weil sie dort mehr als 20 Prozent billiger ist.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) Preise in Wien und München verglichen. Das Ergebnis: Der Warenkorbpreis von 47 Markenlebensmitteln ist in Wien (inklusive Mehrwertsteuer) um 10,6 Prozent teurer als in München. Netto sind die Waren um immerhin 6,9 Prozent teurer.
Einsamer Spitzenreiter: Pommes von McCain („123 Frites Original“). Die 750-Gramm-Packung kostet in München laut Wifo 1,40 Euro, in Wien aber 2,89 Euro. Ein Unterschied von 106 Prozent. Die Ergebnisse der Studie „untermauern“ laut AK-Präsident Herbert Tumpel, dass es in heimischen Supermärkten einen „Österreich-Aufschlag“ gebe, der nicht durch die Preisentwicklung in Europa erklärbar sei. So seien im vergangenen Jahr die Preise für Speiseöl in Österreich um 10,5 Prozent gestiegen – im Euroraum aber nur um 4,5 Prozent. Bei Obst lag der Preisanstieg in Österreich bei 12,8 Prozent – verglichen mit nur 2,7 Prozent in der Eurozone. Tumpels Fazit: „Irgendwo muss irgendwer mitschneiden, sodass ungerechtfertigte Aufschläge ausgenutzt werden.“

Der Handel ist mit den AK- Berechnungen der Arbeiterkammer nicht glücklich. Stefan Ornig, Sprecher von DM Österreich, bestätigt zwar, dass das Preisniveau hierzulande höher sei als bei den deutschen Nachbarn. Höhere Preise seien bei einigen Artikeln aber nicht zu vermeiden, weil aufgrund der Siedlungsstruktur des Landes (weniger Ballungszentren, höhere Zersiedelung am Land) die Dichte der Filialen hierzulande und somit auch die Kosten für die Händler höher seien als in Deutschland. „Wir könnten in Österreich Preise wie in Deutschland anbieten, dafür müssten aber zwei von drei Filialen zusperren“, so Ornig. Außerdem seien die Produkte in AK-Studien oft willkürlich ausgewählt und würden nicht das tatsächliche Preisniveau widerspiegeln.

Zu teuer: Strom, Gas, Mieten

Tumpel hält dagegen: „Wer monatlich bis zu 1866 Euro verdient, gibt mehr als die Hälfte seiner Ausgaben allein für Essen, Wohnen, Energie und Verkehr aus. Es muss endlich die Notbremse gezogen werden.“ Dass der Ministerrat am Dienstag eine Verschärfung des Kartellrechts beschlossen hat und die Wettbewerbsbehörde mehr Befugnisse erhalten soll, sei ein Schritt in die richtige Richtung. Es sei aber noch viel zu tun. Aus der Perspektive der AK sind derzeit zu teuer: Strom, Gas, Benzin, Mieten und Autoreparaturen. Für die Mieten hat Tumpel einen pragmatischen Vorschlag: Diese sollen in Zukunft nur noch alle fünf statt alle zwei Jahre erhöht werden – und zwar nur um die Hälfte der Inflationsrate. Tumpel wunderte sich am Dienstag vor Journalisten allerdings auch, dass diese offizielle Inflationsrate heute schon mit der Realität in den Supermärkten offenbar nicht übereinstimmt – also zu niedrig zu sein scheint.



Das Benzinproblem will er sozusagen an der Quelle lösen. Die Behörden müssten den nationalen Treibstoffmarkt „unter die Lupe“ nehmen, so Tumpel. Außerdem müsse die Transparenz an der Rotterdamer Ölbörse erhöht werden. Und: Die „Spekulation“ müsse eingedämmt werden. „Dafür muss die EU-Kommission sorgen“, sagte Tumpel.

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