Atomenergie: Chinas Lückenfüller in Rumänien

Das rumänische AKW Cernavoda soll ausgebaut werden. Projektpartner aber zeigten sich bislang unstet. Nun nimmt ein chinesischer Investor Einsicht in den Prospekt.

Das Atomkraftwerk Cernavoda soll zwei zusätzliche Meiler bekommen. Die bisherigen Interessenten haben abgesagt.
Das Atomkraftwerk Cernavoda soll zwei zusätzliche Meiler bekommen. Die bisherigen Interessenten haben abgesagt.
Das Atomkraftwerk Cernavoda soll zwei zusätzliche Meiler bekommen. Die bisherigen Interessenten haben abgesagt. – (c) REUTERS (� Mihai Barbu / Reuters)

BUKAREST. Die Braut ist groß, die Braut ist mächtig, aber niemand wollte sie bislang haben: das rumänische Atomkraftwerk Cernavoda, an der Donau gelegen. Die beiden Meiler produzieren rund 18 Prozent des rumänischen Strombedarfs. Seit Jahren versucht die Regierung in Bukarest, ihnen im Zuge eines Ausbaus zwei weitere Meiler zur Seite zu stellen. Das chinesische Unternehmen General Nuclear Power darf nun Einsicht in den Prospekt nehmen. Andere Unternehmen haben sich nicht beworben.

Dabei hatte es an Interessenten für Cernavoda nicht gemangelt: Bereits 2008 wurde der Ausbau vorbereitet und dafür das Unternehmen Energo-Nuclear gegründet. Neben dem Wirtschaftsministerium, das die Betreiberfirma des rumänischen Atommeilers, Nuclearelectrica, kontrolliert, stiegen damals die Konzerne Enel, ArcelorMittal Romania, CEZ, RWE, Iberdrola und GDF Suez in das Projekt ein-und dann der Reihe nach wieder aus. Beobachter gingen damals von wirtschaftlichen Beweggründen für den Rückzug aus. Der Kompetenzendschungel in Bukarest dürfte die Investoren zudem nicht umgestimmt haben.

Bindendes Angebot

Das Interesse von chinesischer Seite allein garantiert allerdings noch keinen Erfolg für das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund sechs Milliarden €.Nach Evaluierung der Informationen hat General Nuclear Power bis zum 24. September Zeit, ein bindendes Angebot zu legen. Kommen die Parteien zu einer Übereinkunft, soll eine neue Projektgesellschaft gegründet werden, in der die Chinesen die Mehrheit gegenüber dem Minderheitsaktionär, der börsenotierten Nuclearelectrica, halten.

Staatshilfen

Bukarest hat für den AKW-Ausbau bereits Unterstützung und den Kauf von Stromkontingenten zu Fixpreisen in Aussicht gestellt, um die Braut attraktiver zu machen. Dies muss allerdings Brüssel erst abnicken.

 

Der Meiler

Cernavoda. Das Atomkraftwerk Cernavoda ist eine Hinterlassenschaft des kommunistischen Regimes. Der Bau des AKWs wurde in den 1980er-Jahren beschlossen-die beiden Meiler sind mit kanadischen Candu-Reaktoren bestückt. In Betrieb ging das AKW in der ersten Ausbaustufe indes erst 1996. Der weitere Ausbau der Anlage steckt fest. 2008 scheiterte ein Versuch, nachdem die Projektteilnehmer abgesprungen waren.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2014-09-11)

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