EVN: Geldregen trotz roter Zahlen

Der Energieversorger schreibt fast 300 Mio. Euro Verlust. Haupteigner Niederösterreich spürt davon nichts. Die Dividende fließt weiter.

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Die Investitionen der EVN werden umgeleitet. Osteuropa geht fast leer aus, das Geld bleibt in Niederösterreich. – (c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Wien/Maria Enzersdorf. Anfang Dezember saßen 25.000 Niederösterreicher im Dunkeln. Der heftige Eisregen, der weite Teile Niederösterreichs lahmgelegt hat, wird den Stromversorger wohl mehrere Millionen Euro kosten. Verglichen mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr ist das aber nur eine Lappalie.

Über eine halbe Milliarde Euro musste die EVN 2013/14 vorwiegend auf ihre Projekte in Südosteuropa abschreiben. Das Konzernergebnis drehte von plus 110 Mio. auf einen Verlust von 299 Mio. Euro. Doch für den Energieversorger, der zu 51 Prozent im Besitz des Landes Niederösterreich steht, ist das kein Grund, das Geld beisammenzuhalten. Im Gegenteil: Trotz der tiefroten Bilanz macht der Konzern das Dividendenventil weit auf. Wie im Vorjahr dürfen sich die Eigentümer auf 0,42 Cent je Aktie freuen. Damit fließen geschätzte 38,5 Mio. Euro vom angeschlagenen Energieversorger in Richtung St. Pölten.

Die EVN könne sich die Gewinnausschüttung in dieser Höhe „locker leisten“, sagte Unternehmenschef Peter Layr. Denn der Verlust sei großteils nicht cashwirksam, sondern nur in den Büchern existent: Da wäre die Abschreibung von Firmenwerten und Kundenstöcken in Bulgarien und Mazedonien. Hier hatten die Regulatoren rückwirkend beschlossen, dass die EVN-Töchter weniger für den Strom verlangen dürfen. In Summe musste der Versorger darum 269,5 Mio. Euro aus den Büchern streichen. In der Bilanz sind die beiden Länder damit de facto wertlos. An einen Rückzug denkt Layr aber nicht. Denn auch wenn der Kaufpreis auf absehbare Zeit nicht zurückverdient werden könne, schrieben beide Töchter derzeit operativ schwarze Zahlen.

 

Investitionen fast nur in NÖ

In Russland kam der EVN der Wechsel in der Moskauer Stadtregierung in die Quere. Sie will die geplante Müllverbrennungsanlage doch nicht realisieren, weshalb die EVN 191,4 Mio. aus den Büchern nehmen musste. Mit Wertberichtigungen des Steinkohlekraftwerks Dürnrohr und der Inn-Kraftwerke im Volumen von 68 Mio. summieren sich die Abschreibungen auf mehr als eine halbe Mrd. Euro.

Auf der anderen Seite blieb der Cashflow, also der Nettozufluss von liquiden Mitteln, mit 546 Mio. Euro fast auf Vorjahresniveau. Mit diesem Geld in der Tasche sei die Dividendenzahlung kein Problem, versichert die EVN. Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger sieht das anders: Selbst wenn es leistbar sei, wäre es „angesichts der schwierigen Lage in der Strombranche ein falsches Signal, Dividenden trotz hohen Verlusten hoch zu halten“.

Die hohe Dividende ist nicht das einzige Bekenntnis des Energieversorgers zu seinem Eigentümer. Auch die Kehrtwende in der Strategie kommt Niederösterreich zugute. Die EVN-Expansion nach Osteuropa ist beendet, Investitionen, die dort geplant waren, werden in die Heimat umgeleitet. In den nächsten Jahren will die EVN eine Mrd. Euro in Netzausbau, Windparks und Gasleitungen investieren. Zwei Drittel bleiben in Niederösterreich.

Heuer erwartet Layr wieder ein Normalergebnis um die 110 Mio. Euro plus. Entscheidend sei aber, dass auch Österreich beginne, Versorger zu bezahlen, damit sie unrentable, aber für die Versorgung wichtige thermische Kraftwerke halten. Sonst werde aus der Insel der Seligen die Insel im Dunkeln. Auch der Regulator E-Control hat erkannt, dass etwas passieren muss. Sein Vorschlag schmeckt der Branche nicht: Er will Unternehmen verbieten, Gas- und Kohlekraftwerke ohne Weiteres stillzulegen. „Passiert das ohne Abgeltung“, so Layr, „wäre das eine stille Enteignung.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2014)

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