Bitcoin-Miner wollen Strom direkt von der Quelle

Kleinwasserkraft. Der Hype um Kryptowährungen beschert den Betreibern von kleinen Kraftwerken eine neue Klientel. Mit Rechenanlagen direkt beim Erzeuger wollen Bitcoin-Miner Netz- und damit Stromkosten sparen.

Die Blockchain-Technologie, die unter anderem die Bitcoins hervorbringt, ist stark mit der Energiewirtschaft verbunden. Nicht nur, dass Blockchain als eine Möglichkeit gesehen wird, die Abrechnung zwischen dezentralen Energieerzeugern und Verbrauchern effizient und automatisiert abzuwickeln, der Blockchain-Hype schlägt sich auch schlicht in einem signifikanten Energieverbrauch für das „Mining“ der Kryptowährungen nieder. Dieses erfordert Anlagen mit hoher Rechenleistung und entsprechendem Stromverbrauch.

Eine Sparte könnte von der gesteigerten Nachfrage nach Strom für Betrieb und Kühlung der Chips besonders profitieren: die Kleinwasserkraft. Anstatt Strom teuer über die öffentlichen Netze zu beziehen, verlegen manche Bitcoin-Miner ihre Anlagen direkt zum Erzeuger. Beliebt sind hier vor allem Kleinwasserkraftwerke mit ihrem kontinuierlichen Output.

„Der Hauptvorteil für die Miner von Kryptowährungen ist der Wegfall der Netzgebühr“, erklärt Paul Ablinger, Geschäftsführer des Vereins Kleinwasserkraft Österreich. Dadurch können sie die Energiekosten, die einen wesentlichen Teil ihrer Kosten ausmachen, senken. Und ganz nebenbei befreit der Strom aus Wasserkraft vom Nimbus des CO2-Verursachers, den die Blockchain-Industrie aufgrund ihres immensen Energiehungers hat. Für die Betreiber der Kleinkraftwerke wiederum ergebe sich die Möglichkeit, an dieser Einsparung quasi mitzuverdienen und ihren Strom an die Bitcoin-Miner etwas teuerer zu verkaufen als zu den üblichen Einspeistarifen ins Netz, erklärt Ablinger.

 

Laufend Anfragen

Laut dem Experten gibt es daher einen merklichen Trend. Sowohl über den Verein als auch an die Kleinwasserkraftwerke selbst kämen laufend diesbezügliche Anfragen. Konkrete Zahlen, wie viele derartige Anlagen nun errichtet werden oder wurden, kennt er allerdings nicht. Auch kann er nicht sagen, ob die jüngsten Kursturbulenzen bei Bitcoins einen Einfluss auf die Entwicklung dieser Zusammenarbeiten gehabt haben.

 

Kostenfalle Ökostromabgabe

Dafür weiß der Experte von einem möglichen Haken an der Sache: der Ökostromabgabe. Diese wird nämlich fällig, sobald der Kraftwerksbetreiber einen Teil seiner Leistung nicht ins Netz speist, und wird wohl an die Blockchain-Miner weiterverrechnet. Die von der Kraftwerksleistung abhängige Ökostromabgabe kann etwa 13.500Euro monatlich betragen – und die Kalkulation der Mining-Firmen empfindlich beeinflussen. Die Thematik sei auch für mögliche E-Mobil-Ladestellen bei Kleinkraftwerken relevant, ergänzt Ablinger. Ein weiteres Problem seien mögliche Einbrüche in die meist in Containern aufgestellten Rechenanlagen. Laut Ablinger habe es bereits einige Vorfälle gegeben.

Wohl auch deswegen gibt das heimische Start-up Hydrominer seine zwei Standorte nur vage mit „Nähe Waidhofen an der Ybbs“ und „Schönbeg an der Kamp“ an. Hydrominer bezieht nahe Waidhofen rund 500 kW, in Schönberg wird die gesamte 250-kW-Anlage von Hydrominer genutzt.

 

Start-up verkauft Chipleistung

Die Besonderheit: Das Start-up nutzt diese nicht selbst, sondern verkauft die Rechenleistung an Mining-Interessierte ohne eigene Rechenanlagen weiter. Sogenannte H2O-Tokens berechtigen zur entsprechenden Nutzung, wobei dem Käufer offensteht, nach welcher Kryptowährung mit seinem Guthaben „geschürft“ wird. Seit Februar ist das Portal, auf dem die Tokens eingelöst werden können, offen. Ein Online-Profitabilitätsrechner soll folgen. Ebenfalls demnächst werden H30-Token verkauft, die in Anteile umgewandelt werden sollen, wenn das Unternehmen wie geplant im vierten Quartal an die (Londoner) Börse geht. Davor sollen noch größere Hydromining-Anlagen (zwischen zwei und 25 MW) in den USA und Kanada errichtet werden. (at)

Fokus Energie

Dieser Text ist in der "Presse"-Beilage "Fokus Energie" erschienen und wurde von einer Spezialredaktion unabhängig von Werbekunden erarbeitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2018)

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