Auf dem Weg in die Energieautonomie

Energiewende. Unabhängigkeit von fossiler Energie und „Zero Emission Austria“: So lauten Zielsetzung und Slogan, denen sich österreichweit „Klima- und Energiemodellregionen“ sowie „Vorzeigeregionen Energie“ verschrieben haben.

Samen und Kerne brauchen Wärme für die Trocknung. Diese Trocknung ist ein wesentliches Kompetenzfeld der PSO, eines steirischen Familienbetriebs in der Gemeinde Auersbach, der für die Veredelung von Pflanzen, Samen und Ölen steht. 2006 stellte Firmengründer Helmut Buchgraber seine Trocknungsanlage vom teuren Ölbetrieb auf Hackschnitzel um, die vorwiegend aus Auersbacher Wäldern stammen, wo mehr Holz wächst, als gebraucht wird. Seitdem hat sich einiges getan: „Mit der neuen Biomasseanlage haben wir im Stadtbezirk Wetzelsdorf ein Fernwärmenetz aufgebaut und versorgen gegenwärtig 48 Wohnungen, 15 Einfamilienhäuser und alle Kommunalbetriebe im Winter mit Wärme und im Sommer mit Wasser.“ Insgesamt spart das Projekt Auersbach jährlich rund 250.000 Liter Heizöl ein, was einer CO2-Reduktion von etwa 722.500 Kilogramm entspricht. 2016 investierte Buchgraber zudem in eine Luftentfeuchtungsanlage, um die Abwärme nochmals im Trocknungsprozess nutzen zu können. Getrocknet wird seitdem schneller, schonender und mit einer thermischen Energieeinsparung für die Anlage von rund 50 Prozent.


Vorzeigebetriebe auf YouTube

Dem Geschäftsführer der lokalen Energieagentur, Karl Puchas, war die innovative Energietechnologie einen seit Kurzem im Netz veröffentlichten Videoclip wert: „Unsere Kurzfilmreihe ,Voll Energie im Steirischen Vulkanland‘ bittet Vorzeigebetriebe vor den Vorhang. Auf den Erstling mit PSO werden regelmäßig weitere folgen. Wir wollen damit nicht zuletzt andere Betriebe motivieren, selbst Energieprojekte in die Tat umzusetzen.“ Als Manager der Klima- und Energiemodellregion Mittleres Raabtal ist Puchas dafür verantwortlich, in enger Kooperation mit den zahlreich vorhandenen Gewerbebetrieben Maßnahmenpakete zu schnüren und zur Umsetzung zu bringen. Das Motto: „Die lokalen Wirtschaftsbetriebe als Schuhlöffel für 100 Prozent eigene Energieversorgung der Region.“

Puchas ist einer von österreichweit 91 regionalen Managern in ebensovielen Klima- und Energie-Modellregionen (KEM), die insgesamt 811 Gemeinden umfassen und seit Programmgründung durch den Klima- und Energiefonds rund 3300 Projekte realisiert haben. Was einzelne Regionenverantwortliche bewirken können, zeigen beispielhaft zwei der jährlich gekürten KEM-Manager des Jahres. Wurde 2016 Markus Altenhofer von der Modellregion Donau-Böhmerwald für seine Leistungsbilanz von 34 Fotovoltaikanlagen auf Dächern in der Modellregion und Energiesparkonzepte für zehn Gemeinden ausgezeichnet, so ist es 2017 mit Sabine Watzlik (KEM Vöckla-Ager) eine Managerin der ersten Stunde, deren Projekt „Energiedetektive“ – neben zahlreichen Mobilitätsprojekten – im wahrsten Sinn des Wortes Schule gemacht hat: Im Zuge eines Projekts mit Schulklassen entstand ein Lehrbuch zum Thema „Energie“. „Wir arbeiten in der Modellregion konsequent daran, bis 2030 Energieautonomie zu erreichen. Da muss man auf allen Ebenen anpacken“, sagt Watzlik.


100 Prozent erneuerbar

„Zero Emission Austria“ ist das zentrale Anliegen des hinter dem Modellregionenprogramm stehenden Klima- und Energiefonds. Eine saubere Energiegewinnung lautet die Zielsetzung mit der langfristigen Vision, einen 100-prozentigen Ausstieg aus fossiler Energie zu bewerkstelligen. In diese Vorgabe schreibt sich auch der 2015 gestartete Programmschwerpunkt „Vorzeigeregion Energie“ ein. „Entwickelt und getestet werden Energietechnologien aus Österreich. Innovationen sollen so sehr schnell in den Markt kommen, damit die Energiewende möglichst kostengünstig ausfällt“, sagt Geschäftsführerin Theresia Vogel.

Teil des Programms ist das entstehende Green Energy Lab als landesweit größtes jemals genehmigtes Innovationsprojekt grüner Energietechnologien hin zu Strom und Wärme, die zu 100 Prozent erneuerbar sind. Die Vorzeigeregion umfasst vier Bundesländer (Burgenland, Steiermark, Wien, Niederösterreich) und rund 100Unternehmens- und Forschungspartner. Für 31 Teilprojekte werden insgesamt 150 Millionen Euro investiert. Im Fokus stehen flexible Erzeugung und Speicherung von Strom und Wärme mit intelligenter Einbindung der Konsumenten (Stichwort: Open Innovation). Das Ziel: Bis 2025 soll es zur Verfünffachung der Tage mit 100 Prozent erneuerbarer Energie (Strom und Wärme) in der Region kommen. Zudem werden 20 Energieinnovationen in den Feldern Flexibilität, Digitalisierung, integrierte Systeme, Kundenintegration und Geschäftsmodelle für die globalen Märkte angestrebt.

INFORMATION

Neue Regionen gesucht. Eine Klima-und-Energiemodell-Region hat maximal 60.000 Einwohner und besteht aus mehreren Gemeinden. Nach Einreichung beim Klima- und Energiefonds und Erstellung eines Umsetzungskonzepts geht es an die Realisierung der Maßnahmen: Nach positiver Beurteilung folgt die zweijährige Umsetzungsphase, wobei die Möglichkeit besteht, den Status der Modellregion mehrfach – jeweils für drei Jahre – zu verlängern.

www.klimafonds.gv.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2018)

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