Stand Europas Stromnetz kurz vor dem Totalausfall?

Laut einem Medienbericht ist Europa vergangene Woche „knapp an einer Katastrophe“ vorbeigeschrammt. Der Übertragungsnetzbetreiber APG sieht das anders.

Die Presse (Clemens Fabry)

Europas Stromnetz sei vorige Woche am Rande eines Totalausfalls gestanden, berichtet der „Standard“. Grund: Ein Datenfehler an einem Netzregler der TenneT an der deutsch-österreichischen Grenze hat zu falschen Werten für die Frequenzregulierung geführt, wie der  E-Wirtschafts-Verband "Oesterreichs Energie" bestätigt. Das Stromnetz ist dann laut „Standard“-Bericht von den üblichen 50 Hertz auf 49,8 Hertz abgesunken. Für Experten ist dies die entscheidende Grenze, ab der Schutzmechanismen in Kraft gesetzt werden - zuletzt vor mehr als zwölf Jahren (Anfang November 2006), als in Frankreich zehn Millionen Haushalte präventiv vom Strom genommen werden mussten.

Laut Experten sei Europa aber "knapp an einer Katastrophe" vorbeigeschrammt, heißt es im Bericht.

APG: Vorfall 2006 war gravierender

Stimmt nicht, sagt der österreichische Übertragungsnetzbetreiber APG (Austrian Power Grid). Der Datenfehler an einem Netzregler im Gebiet der deutschen TenneT habe rasch behoben werden können. Der Vorfall im Jahr 2006 sei wesentlich gravierender gewesen. Die Störung vorige Woche habe gezeigt, dass das europäische Schutzsystem nach dem Frequenzabfall gegriffen und die Frequenz sofort wieder in den Normalbetrieb zurückgeführt habe, so APG-Betriebsdirektor Klaus Kaschnitz im APA-Gespräch.

Um die Frequenz im Stromnetz innerhalb einer Bandbreite von plus/minus 0,2 Hertz gegenüber den üblichen 50 Hertz zu halten, greifen dem Experten zufolge Regelmechanismen, auch solche, die am Regelenergiemarkt eingekauft werden.

Ein Grund für das Netzproblem könnte laut Kaschnitz gewesen sein, dass sich gewisse Frequenzschwankungen bei der Ablöse von Kraftwerken ergeben haben. Der ENTSO-E, Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber, wird nun prüfen.

Um die richtige Frequenz aufrecht zu erhalten, verfügt jeder Übertragungsnetzbetreiber über einen eigenen Netzregler, der österreichische ist in Wien angesiedelt. Deutschland als große Nation ist in vier Regelzonen aufgeteilt, die von den Unternehmen 50Hertz, TenneT, Amprion und TransnetBW gemanagt werden.

>>> Bericht auf „derstandard.at“

(APA/Red.)

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