Sinn: "Griechenland wird austreten - wetten?"

Die ökonomischen Probleme, die entstehen, wenn das Land in der Eurozone bleibt, seien schlicht unlösbar, sagt der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn.

Sinn Griechenland wird austreten
Sinn Griechenland wird austreten
(c) Reuters (Michaela Rehle)

Heute erscheint das neue Buch "Die Target Falle" des umstrittenen deutschen Ökonomen Hans-Werner Sinn. Darin schreibt der ifo-Chef über die "Gefahren für unser Geld und unsere Kinder". Sein Fazit: Deutschland sitze in der Falle: "Alle wollen unser Geld, aber wenn wir uns dagegen wehren, werden wir überstimmt und mit Nazi-Parolen beschimpft".

Der "Welt am Sonntag" hat er anlässlich der Veröffentlichung seines Buches ein Interview gegeben, das erneut für Aufsehen sorgt. Darin erklärt er auch, warum er sein Buch für wichtig hält. "Das Buch ist so geschrieben, dass jeder es verstehen kann - weil jeder es verstehen muss. Schließlich stehen hier die Vermögen aller Bundesbürger auf dem Spiel."

"Auf Dauer siegen die ökonomischen Gesetze"

Sinn fordert seit längerem den zeitweisen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Er steht damit im Widerspruch zur deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die genau das um jeden Preis verhindern will. Der Ökonom ist aber überzeugt, am Ende recht zu behalten. "Griechenland wird austreten und Bundeskanzlerin Merkel wird nicht recht behalten - wetten?, sagt er im Interview provokativ. Die ökonomischen Probleme, die entstehen, wenn Griechenland in der Währungsunion bleibt, seien schlicht nicht lösbar.

Die Politik denke immer, es gebe ein Primat der Politik über die ökonomischen Gesetze. Doch das sei Einbildung. "Auf Dauer siegen immer die ökonomischen Gesetze. Der Schlammasel von heute ist das Ergebnis einer Politik, die glaubte, die ökonomischen Gesetze missachten zu können."

"Mit dem Euro ist es wie mit einem Auto"

Merkels Politik der Eurorettung bezeichnet er als "Konkursverschleppung". Gegenüber der Zeitung zieht er einen Vergleich: "Mit dem Euro ist es wie mit einem Auto, das den Berg hinunterführt und immer schneller wird. Die Euro-Retter sagen sich: Wenn wir bremsen, bricht das Auto vielleicht aus, und deshalb bremsen wir lieber gar nicht."

Sollte Griechenland doch in der Eurozone bleiben, dann müsste das "dauerhaft an den Tropf", so Sinn in der "Welt am Sonntag". "Dann sollte aber Frau Merkel wenigstens die Steuern erhöhen, statt Schulden zu machen. Denn dann werden diejenigen, die durch diese Politik belastet werden, es wenigstens gleich merken – und die Politik kann die Kosten nicht auf Gruppen abschieben, die noch gar nicht wählen dürfen." Er spräche sich aber nicht für Steuererhöhungen aus. "Ich sage nur: Es wäre konsequent. Wenn man Geld verschenken will, das man nicht hat, muss man Steuern erhöhen", so Sinn.

"Wir stellen die Platinkarte zur Verfügung"

Auch die unbegrenzten Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank sieht er problematisch. "Wir kommen vom Regen in die Traufe. Damit die goldene Kreditkarte nicht mehr so stark genutzt wird, stellen wir die Platinkarte zur Verfügung."

Die Begeisterung an den Kapitalmärkten über diesen Schritt der EZB kann er jedenfalls gut nachvollziehen. "Klar, sie freuten sich darüber, dass nun an ihrer Stelle der Steuerzahler der noch gesunden Länder das Ausfallsrisiko trägt, denn er muss ja gegebenenfalls für die Verluste der EZB aufkommen."

"DiePresse.com" wird in den nächsten Tagen ausführlich über Hans-Werner Sinns neues Buch berichten.

(Red.)

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