Banken leihen sich bei EZB fast 500 Milliarden Euro

Die Europäische Zentralbank legte den ersten von zwei Drei-Jahres-Tendern auf. Die Banken haben sich beim Megatender mit billigem Geld eingedeckt.

Die Europaeische Zentralbank vergibt langfristig billiges Geld
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Die Europaeische Zentralbank vergibt langfristig billiges Geld
(c) dapd (Patrick Sinkel)

Die Banken des Euroraums haben sich am Mittwoch mit sehr viel Liquidität für einen ungewöhnlichen Zeitraum von drei Jahren eingedeckt. Insgesamt liehen sich die Institute bei der Europäischen Zentralbank (EZB) 489,2 Milliarden Euro, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Das ist deutlich mehr als erwartet. Im Schnitt hatten Bankvolkswirte mit rund 300 Milliarden Euro gerechnet. Der Zins, den die Banken zahlen müssen, orientiert sich an den Sätzen der wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften der Institute mit der EZB über die Laufzeit von drei Jahren. Derzeit liegt er bei 1,0 Prozent - das entspricht dem Leitzins im Euroraum.

An dem Geschäft beteiligten sich laut EZB insgesamt 523 Banken - das ist ein sehr hoher Wert. Das langfristige Refinanzierungsgeschäft ist von der Notenbank Anfang Dezember angekündigt worden. Es ist das erste von insgesamt zwei solcher ungewöhnlich langen Geschäfte. Die EZB will mit dem Geschäft die Planungssicherheit der Banken erhöhen. Die Hoffnung auf eine Stabilisierung des Banken-Sektors in der Euro-Zone hat die wichtigsten Indices angeschoben.

"Sollte der Tender die erhoffte Entspannung bei der Banken-Refinanzierung bringen, dürften die Länder-Renditen mittelfristig weiter fallen. Auch dem Euro sollte dies neues Vertrauen bringen und für kräftig steigende Kurse sorgen", prognostizierte LBBW-Analyst Ralph Herre. Die Bandbreite der Schätzungen der Volkswirte reicht dabei von 150 Milliarden Euro bis zu 600 Milliarden Euro.

Die Banken stehen laut EZB-Chef Mario Draghi vor einem äußerst schwierigen Jahr. Insgesamt rollt auf Europas Banken eine riesige Refinanzierungswelle zu, da 725 Milliarden Euro an Schulden auslaufen und zurückgezahlt oder verlängert werden müssen. Die EZB befürchtet, dass die Banken vor diesem Hintergrund ihre Darlehensvergabe an Firmen einschränken und damit eine wirtschaftlich fatale Kreditklemme in der Euro-Zone auslösen könnten.

Mit dem Tender bietet die EZB den Geschäftsbanken einen Dreijahreskredit an. Wegen der Euro-Krise misstrauen die Institute einander und halten sich mit Krediten an andere Banken zurück. Bei der Zentralbank können sie sich heute  für drei Jahre mit so viel Geld eindecken, wie sie benötigen. Die Zinsen richten sich nach dem durchschnittlichen Leitzins über die Gesamtlaufzeit des Darlehens.

Italiens Banken wollen zugreifen

Vor allem Italiens Banken wollten sich bei der anstehenden langfristigen Kreditlinie der EZB mit Geld eindecken. Zuletzt hatte der italienische Branchenprimus und Mutter der Bank Austria, UniCredit, einen weiteren Nackenschlag hinnehmen müssen: Die Rating-Agentur Fitch verpasste dem Geldinstitut eine schlechtere Bonitätsnote. Die UniCredit befürchtet keine Kreditklemme im kommenden Jahr. "Unser neuer Plan sieht bis 2015 zusätzliche Kredite in Höhe von 33 Milliarden Euro für die Unternehmen und 39 Milliarden Euro für Familien vor. Das Problem sind die Zinssätze. Wenn sie steigen, ist die Kreditaufnahme teurer", sagte Ghizzoni im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale".

Dass die Zentralbank für einen so langen Zeitraum Geld an die Geschäftsbanken verleiht, soll deren Planungssicherheit erhöhen und dem Vertrauensverlust innerhalb des Finanzsystems insgesamt entgegenwirken. Der Zins des Geschäfts ist an die künftige Leitzinsentwicklung gekoppelt. Die EZB hatte in der Vergangenheit nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers bereits mit drei Jahrestendern eine Krise des Bankensystems verhindert. Beim allerersten dieser Tender im Sommer 2009 hatten sich rund 1000 Institute die gigantische Summe von fast einer halben Billion Euro bei der Notenbank gesichert.

(APA/Ag.)

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