Griechenland-Privatisierung läuft katastrophal

Der Verkauf von Staatsbesitz soll rund 50 Milliarden Euro einbringen. 2012 dürften es gerade einmal 4,7 Milliarden sein. Die Zahlen sollen "auf gut Glück" festgelegt worden sein, sagt nun der Chef der Privatisierungsbehörde.

GriechenlandPrivatisierung laeuft katastrophal
GriechenlandPrivatisierung laeuft katastrophal
(c) EPA (ALKIS KONSTANTINIDIS)

Die griechische Regierung wollte im Rahmen des angeblich "größten Privatisierungsprogramms der Welt" in nur vier Jahren 50 Milliarden Euro einnehmen. Doch der Verkauf des Staatsbesitzes läuft katastrophal. Der Chef der Privatisierungsbehörde, Ioannis Koukiadis, gab jetzt zu, dass die Zahlen "auf gut Glück" festgelegt wurden, berichtete "Spiegel Online" am Sonntag.

In einem Interview des Athener Fernsehsenders Mega Channel erklärte Koukiadis am Samstagabend, es gebe derzeit kein nennenswertes Interesse an staatlichem Besitz. "Im laufenden Jahr 2012 werden wir ungefähr 4,7 Milliarden Euro an Privatisierungserlösen verbuchen können. Das ist das einzige verwirklichbare Einnahmeziel", sagte der 70-jährige ehemalige Jus-Professor.

Elf Milliarden waren 2012 geplant

Ursprünglich hatte die griechische Regierung den europäischen Geldgebern versprochen, dass sie im laufenden Jahr insgesamt elf Milliarden Euro mit dem Verkauf von Staatsbesitz einnehmen würde. Bis 2015 sollten es sogar 50 Milliarden Euro werden.

Griechenlands Finanzplanung bis 2015 basiert maßgeblich darauf. Kommt das Geld nicht zusammen, muss es an anderer Stelle geholt werden. Andernfalls sind die Haushaltsplanungen bis 2015 Makulatur, unabhängig davon, wie hoch der geplante Schuldenschnitt letztlich ausfällt.

"Zahlen wurden auf gut Glück festgelegt"

Warum das ursprüngliche Einnahmeziel und seine neue Schätzung so weit auseinander klaffen, begründete Koukiadis mit den Worten: "Die Zahlen, die genannt worden sind, können auf keinen Fall verwirklicht werden. Im Übrigen sind diese Zahlen auf gut Glück festgelegt worden."

Experten hatten bereits früh Bedenken angemeldet. Die halbstaatlichen Unternehmen seien großteils kaum wettbewerbsfähig, die Gewerkschaften drohten mit massivem Widerstand gegen Privatisierungen und bei den staatlichen Immobilien seien nicht selten die Besitzverhältnisse unklar, argumentierten sie.

Investoren warten ab, um billiger zu kaufen

Hinzu kämen zahlreiche Unwägbarkeiten. Die zentrale Frage laute: Muss das Land in Kürze den Staatsbankrott melden? Marktbeobachtern zufolge ist es daher durchaus logisch, dass potenzielle Investoren erst einmal abwarten und gegebenenfalls billiger kaufen wollen.

(APA)

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