Die nächsten Problemländer heißen Zypern und Italien

Zypern muss wohl noch diese Woche unter den Euro-Rettungsschirm. Italien bleibt weiter in der Rezession, das BIP schrumpft um 0,8 Prozent. Und auch Spanien muss schon wieder steigende Anleihenrenditen ertragen.

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(c) EPA (KARL-JOSEF HILDENBRAND)

Wien/Jil/Ag. Es wird immer enger unter dem Rettungsschirm: Nach Spanien dürfte Zypern als nächster Kandidat Geld von den EU-Partnern beantragen. Finanzminister Vasos Shiarly sagte am Montag, Hilfe für sein Land sei „sehr dringend“. Ein entsprechender Antrag könnte „innerhalb von Tagen“ gestellt werden. Shiarly folgt dem Script seiner Kollegen in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien. Erst vor wenigen Tagen hatte er noch gesagt, Zypern könne seine Banken aus eigener Kraft retten. Konkrete Summen wurden zwar noch keine genannt.

Italien ist mitten in Rezession

Zypern dürfte aber mindestens 1,8 Mrd. Euro zur Unterstützung der angeschlagenen Laiki Bank benötigen – eine Summe, die für die kleine Volkswirtschaft kaum verkraftbar ist. Das Haushaltsdefizit dürfte heuer mehr als zehn Prozent betragen. Zypern könnte wohl problemlos von der vorhandenen Rettungsarchitektur Gebrauch machen. Aber der nächste große Kandidat wackelt auch schon: Italiens Wirtschaft ist Anfang 2012 so stark geschrumpft wie seit drei Jahren nicht mehr. Vor allem der sinkende Privatkonsum sorgte dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,8 Prozent zum Vorquartal zurückging, wie das Statistikamt Istat am Montag mitteilte. Die Verbraucher gaben ein Prozent weniger aus und bremsten die Konjunktur damit deutlich. Schwung kam lediglich vom Außenhandel – das aber auch nur, weil die Exporte mit 0,6 Prozent weniger stark sanken als die Importe mit 3,6 Prozent.

Das hoch verschuldete Italien steckt mitten in der Rezession. Die drittgrößte Volkswirtschaft im Euroraum schrumpft seit drei Quartalen und dürfte nach Einschätzung der EU-Kommission 2012 rund 1,4 Prozent nachgeben. Die Regierung unter Mario Monti will mit hartem Sparkurs gegensteuern und verlorenes Vertrauen auf den Finanzmärkten zurückgewinnen. Dem Eindruck, dass Italien der nächste Wackelkandidat sein könnte, will die Regierung in Rom unbedingt entgegenwirken.

Italien sei kein Kandidat für den EU-Rettungsschirm, so Industrieminister Corrado Passera am Montag. Sein Land habe bereits alles Notwendige getan, um sich aus eigener Kraft in der Eurokrise zu retten. Italiens Aussichten sind aber alles andere als rosig: 2012 dürfte die Wirtschaft um 1,4 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosenquote um mehr als einen Punkt auf 9,5 Prozent steigen.

Auch der Schuldenberg wird in diesem Jahr weiter wachsen. Er soll nach Prognose der EU-Kommission bald 123,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmachen. 2008 waren es nur knapp 106 Prozent. Nur in Griechenland ist der Berg noch höher. Auch im kommenden Jahr dürfte er kaum kleiner werden und über der Marke von 120 Prozent verharren. Italien ist damit der viertgrößte Schuldenmacher weltweit. „Der Reformwille der italienischen Politik ist offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. „So könnte auch ein Hilfsantrag Italiens nur eine Frage der Zeit sein.“

Nur kurze Erholung für Spanien

Die Erholung an den Rentenmärkten nach Spaniens Weg unter den Rettungsschirm war nur von sehr kurzer Dauer: Die Kurse zehnjähriger spanischer und italienischer Staatsanleihen gaben am Montagmittag wieder leicht nach. Entsprechend zogen die Renditen an und lagen für spanische Bonds bei 6,327 Prozent (Freitagsschluss: 6,250 Prozent). Ihre italienischen Pendants wurden mit 5,896 Prozent verzinst – nach 5,773 Prozent zum Wochenschluss. „Es gibt noch immer sehr viele Unsicherheiten und Fragezeichen“, sagte ein Händler.

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