Spanische Anleihe-Zinsen erreichen kritische Marke

Moody's senkte Spaniens Bonität um drei Noten. Die Rendite für Staatsanleihen stiegen nach dem Rating-Desaster auf sieben Prozent.

Spanische AnleiheZinsen erreichen kritische
Spanische AnleiheZinsen erreichen kritische
REUTERS/Andrea Comas

In der Euro-Schuldenkrise spitzt sich die Lage zu: Die Ratingagentur Moody's hat am Mittwochabend die Kreditwürdigkeit sowohl Spaniens drastisch gesenkt. Die Finanzmärkte reagierten nervös: Am Sekundärmarkt stiegen die Renditen für richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihen bis auf sieben Prozent - der höchste Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Am Nachmittag gaben sie wieder leicht nach. Wenn die Risikoaufschläge die "magische Grenze" von sieben Prozent eine gewisse Zeit lang überschreiten, gilt die Staatsschuld als nicht mehr finanzierbar.

Spaniens Bewertung wurde gleich um drei Noten abgesenkt. Die Bonitätsnote Madrids werde von "A3" auf "Baa3" herabgestuft, teilte Moody's am Mittwoch in London mit. Damit liegt die Kreditwürdigkeit nur noch eine Note über dem sogenannten Ramschniveau. Zudem droht Moody's gleich eine weitere Herabstufung an. Eine Entscheidung darüber soll spätestens in drei Monaten erfolgen.

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Das von den Euro-Finanzministern am vergangenen Samstag zugesagte Hilfspaket für Spanien in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der Banken werde die Schuldenlast des Landes weiter steigen lassen, schreibt Moody's. Dabei sei die Verschuldung bereits im Verlauf der Finanzkrise deutlich gestiegen. Spanien habe nur noch einen sehr beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten, das Land erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) großzügig mit Liquidität versorgt würden. Zudem belaste die anhaltende Schwäche der spanischen Wirtschaft die Finanzkraft des Landes.

Schlechteste Bewertung bisher

Moody's hat zudem die Bewertung des spanischen Bankenrettungsfonds FROB um drei Noten auf "Baa3" gesenkt. Ob das Land selbst weiter herabgestuft werde, hänge von den Bedingungen der Hilfe und der Form der Bankenrekapitalisierung ab, schreibt Moody's. Auch mögliche weitere Initiativen auf der Ebene der Eurozone spielten eine Rolle. Die Gefahren für das Rating von Spanien und anderer Euro-Länder würden zudem steigen, falls das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone zunehme. Moody's bewertet damit Spanien noch schlechter als die Konkurrenten Standard & Poor's (BBB+) und Fitch (BBB).

Im ebenfalls hoch verschuldeten Italien warnte indes Regierungschef Mario Monti nach der Herabstufung, das Parlament müsse seine Reformschritte mittragen, um zu verhindern, dass Italien das nächste Opfer in der Schuldenkrise werde. Am Donnerstag sammelte Italien 4,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt ein, unter Analysten wurde die Auktion positiv aufgenommen. Die Zinsen stiegen allerdings deutlich: Für Papiere mit einer Laufzeit bis 2015 wurden 5,3 Prozent fällig. Das ist der höchste Wert seit Dezember, zuletzt waren es nur rund 3,9 Prozent.

Zypern durch Griechenland belastet

Auch das Rating von Zypern senkte Moody's von "Ba1" auf "Ba3", zudem drohte die Ratingagentur mit einer weiteren Herabstufung. Grund seien die gestiegenen Risiken, die von Griechenland ausgingen. Zypern steckt tief in der Rezession. Das Mittelmeerland belasten neben der europaweiten Schuldenkrise vor allem Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen und die Folgen für das heimische Bankensystem. Die Agentur hatte erst am Dienstag die Bonität von zwei großen zypriotischen Banken auch mit Verweis auf ihre engen Bindungen an Griechenland herabgestuft. Nach Spanien gilt Zypern als möglicher nächster Kandidat für Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds. Vergangene Woche hatte die Regierung eingeräumt, dass das Land wegen den Auswirkungen der Krise in Griechenland auf die Banken in Zypern möglicherweise gezwungen sei, sich an die EU um Hilfe zu wenden.

(Ag.)

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