EZB versorgt Banken mit weiteren 70 Milliarden Euro

Die EZB will mit der Maßnahme einen Engpass bei Krediten verhindern. Nach den Turbulenzen auf den Finanzmärkten halten sich die Banken derzeit bei Kreditgaben zurück.

EZB Lehman Finanzkrise
EZB Lehman Finanzkrise
AP (Daniel Roland)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Geschäftsbanken des Euroraums am Dienstag erneut mit zusätzlichen liquiden Mitteln in Milliardenhöhe versorgt. Die Notenbank teilte den Geschäftsbanken am Dienstag 70 Milliarden Euro für einen Tag zu, gab die EZB in Frankfurt bekannt. Bereits am Montag hatte die EZB gegen Liquiditätsengpässe am Geldmarkt 30 Milliarden Euro bereitgestellt. Damit soll eine Kreditklemme der Banken verhindert werden.

Wie die EZB Geld ausgibt

Die Zentralbank steuert die Menge des Geldes in einer Region (z.B. Europa) hauptsächlich über "Refinanzierungsgeschäfte". Dazu dient ein Zinstender nach amerikanischem Verfahren: Die Zentralbank gibt einen Mindestzinssatz und die gesamte Kreditmenge vor. Banken geben ihre Gebote ab, wie viel Geld sie brauchen und nennen auch einen Zinssatz, den sie bereit sind zu zahlen. Die Zuteilung der Kredite: Gebote mit dem höchsten Zinssatz werden voll bedient. Dann die zweithöchsten usw. Gebote nahe dem Mindestzinssatz werden nur noch anteilig berücksichtigt: Auf sie wird nur mehr das Volumen verteilt, dass nach den höchsten Geboten übrig ist.

 

Aus Sorge über mögliche Milliarden-Löcher in den Bilanzen wegen neuer Abschreibungen halten die Banken derzeit Geld zurück und leihen es sich nicht mehr im sonst üblichen Umfang. Die Notenbanken können in solchen Situationen zusätzliches Geld an die Banken verleihen, um ein Austrocknen der Märkte zu verhindern. Vor der Finanzkrise hatte die EZB nur nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu diesem Mittel gegriffen.

Am Dienstag lag die Nachfrage nach dem zusätzlichen Geld mit 102,48 Milliarden Euro höher als die ausgeschriebene Summe. Der Durchschnittszins betrug 4,40 (Vortag: 4,39) Prozent, teilte die EZB mit. Dies ist etwas höher als der Leitzins - zu dem Banken sich derzeit von der EZB Geld leihen können - von 4,25 Prozent.

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