"Erpressung": IWF-Kredit für Island blockiert

Keine Finanzhilfe für Island. Großbritannien und die Niederlande fordern zuerst eine Einigung über Islands Verpflichtung zur Einlagensicherung ausländischer Guthaben.

(c) Reuters (Bob Strong)

Der Island zugesagte Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie eine mögliche zusätzliche Finanzhilfe der EU für die angeschlagene Nordatlantikinsel sind bis auf weiteres blockiert. Wie isländische Medien am Freitag berichteten, verlangen mehrere EU-Staaten, darunter Großbritannien, zuerst eine Einigung über Islands Verpflichtung zur Einlagensicherung ausländischer Guthaben bei den verstaatlichten isländischen Banken.

Dies sei sei Island bei einem Treffen der EU-Finanzminister mit ihren Kollegen aus den EFTA-Staaten am Dienstag in Brüssel zu verstehen gegeben worden. Ursprünglich wurde noch für diese Woche die Bewilligung eines IWF-Kredites über rund 2,1 Mrd. Dollar (1,64 Mrd. Euro) erwartet. Die Angelegenheit, über die bei dem Treffen eigentlich Stillschweigen vereinbart wurde, gelangte über isländische Mitglieder des Parlamentarierkomitees der EFTA-Länder an die Öffentlichkeit.

Island spricht von "Erpressung"

Einer von ihnen, der Grünen-Politiker Arni Thor Sigurdsson, sagte, diese Länder - es handelt sich dabei zumindest um Großbritannien und die Niederlande - verfügten über ausreichenden Einfluss beim IWF. Sigurdsson bezeichnete dieses Verhalten gegenüber der Tageszeitung "Frettabladid" als "Erpressung".

Seitens einer Regierungsvertreterin in dem Gremium, der Sozialdemokratin Katrin Juliusdottir, hieß es lediglich, es gebe mit Großbritannien noch "Uneinigkeit über die Interpretation rechtlicher Fragen". Island habe sich in Brüssel gegen eine Verknüpfung des Streits über die Einlagensicherung mit internationaler Finanzhilfe ausgesprochen.

Die beiden größten Banken Islands, Landsbanki und Kaupthing, hatten in mehreren europäischen Staaten zum Teil erhebliche Summen an Sparguthaben aufgenommen - am meisten davon in Großbritannien und den Niederlanden. London und Reykjavik streiten seit Wochen über die Aufteilung der Garantie von insgesamt 230.000 Kunden bei der britischen Landsbanki-Tochter Icesave.

Verhandlungen über eigefrorene Kundengelder

Großbritannien erklärte sich unterdessen zähneknirschend bereit, vorläufig auch die Sicherung jenes Teils der Guthaben zu übernehmen, die nicht durch die britische Einlagensicherung gedeckt sind. London stellte dafür am Donnerstag 800 Mio. Pfund (994 Mio. Euro) bereit. Finanzminister Alistair Darling bestätigte ebenfalls, die britische Regierung verhandle nach wie vor mit Island über die vollständige Rückzahlung der eingefrorenen Kundengelder.

(APA)

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