Bankensturm: Wenn alle gleichzeitig ihr Geld wollen

Für 7. Dezember war ein weltweiter Bankensturm geplant: Warum dieser Crash mit Ansage wohl verpufft ist und "den Letzten die Hunde beißen".

Customers queuing outside a  branch of the British  mortgage lender Northern Rock in York England , a
Customers queuing outside a  branch of the British  mortgage lender Northern Rock in York England , a
(c) AP (John Giles)

Als sich der Bankdirektor im Musical-Kinderfilm "Mary Poppins" zwei Penny von dem Buben Michael unter den Nagel reißen will, kommt es in Folge zu einem Bankensturm. Die Bankkunden fordern ihr Geld zurück, weil sie glauben, die Bank könne dem Jungen sein Geld nicht mehr auszahlen. Dieses Beispiel zeigt plakativ und eindringlich: Das Geschäftsmodell der Banken ist auf dem Fundament Vertrauen aufgebaut. Bricht dieses weg, ist es zum Fall der Bank nur mehr ein kurzer Weg.

Banken-Geschäftsmodell baut auf Vertrauen auf

Denn das Geschäftsmodell einer Bank sieht folgendermaßen aus: Sie nimmt Geld von ihren Kunden, um dieses an andere Kunden zu verleihen. Deshalb sind nicht alle Einlagen zu jedem Zeitpunkt in der Bank. Das ist kein Problem, solange nur ein Teil der Kunden Geld zurückfordert, denn die Bank hält immer eine Sicherheitsreserve vorrätig. Wollen aber zu viele Kunden gleichzeitig an ihr Geld, gerät die Bank rasch in Liquiditätsprobleme.

Problem ist dabei nur der Faktor Zeit. Würden sich die Kunden gedulden und nicht auf die sofortige Auszahlung pochen, käme es zu keinem Zusammenbruch der Bank. Denn das Geld ist ja nicht weg, sondern nur an andere Kunden verliehen. Eine Bank kann also Pleite gehen, ohne dass die von ihr vergebenen Kredite geplatzt wären.

"Den Letzten beißen die Hunde"

Daher war der für 7. Dezember angekündigte weltweite Bankensturm, über den "DiePresse.com" berichtete, nicht zu unterschätzen. Denn er hätte die Banken vor genau dieses Problem stellen können. Der simple Plan war: Weltweit sollen sich möglichst viele Menschen auf den Weg zu ihrer Bank machen und sämtliches Geld abheben, das sich auf ihren Spar- und Girokonten befindet.

Nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 waren es allerdings die faulen Kredite, die den Bankkunden Sorgen machten - zu recht, wie man heute weiß. Sie sahen ihre Guthaben gefährdet. "Wenn dem aber so ist und die Öffentlichkeit das so wahrnimmt, dann gibt es einen doppelten Grund, sein Geld so rasch wie möglich abzuziehen: Wer zuerst kommt, hat noch eine Chance, sein Geld wiederzubekommen; den Letzten jedoch beißen die Hunde. Und das Wissen um dieses Rennen löst schon fast automatisch den Bank Run aus", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Schutzwall Einlagensicherung

Wie kann nun also ein Bankensturm verhindert werden? Die Einlagensicherung ist dabei eine wichtige Maßnahme, wie sich auch nach der Panik in Folge der Lehman-Pleite gezeigt hat. Dadurch, dass die Regierungen weltweit für die Einlagen der kleinen Sparer garantierten, wurde Schlimmeres verhindert. Hätte diese vertrauensbildende Maßnahme damals nicht gefruchtet, wären die Staaten vor dem Problem gestanden, wer das alles finanzieren soll.

Eine grenzenlose Garantie für alle Einlagen hat aber auch negative Effekte. Denn ohne eigenes Risiko neigen die Kunden dazu ihr Geld genau jenen Banken zuzuführen, die das meiste Risiko nehmen - weil eben am meisten Gewinn möglich ist.

Liquiditätspolster federt Gefahr ab

In einem zweiten wichtigen Schritt muss dafür gesorgt werden, dass der Bank ausreichend Liquidität zur Verfügung steht. Dies ist wohl auch der Grund, warum der Banken-Crash mit Ansage am 7. Dezember verpufft ist. Denn die Banken haben genügend Geld bereit gestellt, um sich auch gegenseitig bei Engpässen zu unterstützen. Und im Notfall wären wohl die Notenbanken als Retter eingesprungen.

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