Die erste Inflation der Weltgeschichte

Als Spanien im 16. Jahrhundert massiv Silber importierte, schien die Lösung aller Probleme gefunden zu sein. Doch es war ein trügerischer Reichtum.

erste Inflation Weltgeschichte
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(c) Reuters (Lisi Niesner)

Es schien, als hätte Spanien die Lösung für alle seine wirtschaftlichen Probleme gefunden. Durch die Plünderung südamerikanischer Bodenschätze im 16. und 17. Jahrhundert strömten Gold und Silber in umfangreichen Mengen nach Europa. Importierte etwa Spanien zwischen 1521 und 1530 rund 149 Kilogramm Silber nach Europa, waren es im letzten Jahrzehnt (1591-1600) bereits 2708 Tonnen. Auch der Goldimport aus der Neuen Welt verachtfachte sich innerhalb eines halben Jahrhunderts. Mehr als die Hälfte des geförderten Silbers stammte aus einem einzigen Berg, dem Cerro Rico ("Reicher Berg") am Rande der auf mehr als 4000 Meter hoch gelegenen Stadt Potosí (mehr zu dem "Berg, der Menschen frisst" im nächsten Hobbyökonom) in Bolivien.

Doch der plötzliche Reichtum war ein trügerischer, wie sich schon bald zeigen sollte. Waren des täglichen Gebrauchs wurden empfindlich teurer, ihr Preis stieg um das Drei- bis Vierfache. Menschliche Charakterfehler wie Habgier wurden als Ursache gesehen. Zeitgenössische Kritiker wie Luther bezeichneten den Handel mit Geld als Unrecht und wider Gott. Tatsächlich zeigte sich ein ökonomisches Phänomen, das damals noch weitgehend unbekannt war: Inflation.

Ein Silber-Berg als Gelddruckmaschine

"Denn dank der Bergwerke in Südamerika ist auf einmal mehr Geld in der Welt. Es gibt aber deshalb nicht mehr Weizen, mehr Rinder oder mehr Bäume. Mit den in Potosí geprägten Münzen verhält es sich wie mit fast allen anderen Dingen auf der Erde: Je mehr es von ihnen gibt, desto weniger sind sie wert. Also sinkt die Kaufkraft der neuen Münzen", schreibt Wolfgang Uchatius in "ZEIT Geschichte".

Dabei schien alles so perfekt. Es war die Zeit vor den Papierwährungen. Der Import von Gold und Silber kam daher der Einfuhr frischen Geldes gleich. Das veranlasste Spanien auch dazu, eine Münzpresse in Potosí zu errichten. Die Idee: "So können die Schiffe gleich die fertigen Reales über das Meer schaffen. Der 'reiche Berg' ist nichts anderes als eine frühe Form der Gelddruckmaschine", schreibt Uchatius.

Geldmenge als Ursache der ersten Inflation

Der französische Humanist und Staatstheoretiker Jean Bodin (1529-1596) schreibt bereits 1568, dass der Überfluss an Edelmetallen "die wichtigste und fast einzige Ursache der Preissteigerung bilde". Er wies auf einen bis dahin unbekannten Faktor hin: Die Geldmenge. Er bezeichnete die Vermehrung der Silber- und Geldmenge als erste Ursache der Preissteigerung.

Bei auf Edelmetallen basierenden Geldstandards kommt es aus zwei Gründen zu Geldmengenwachstum:

  • Münzverschlechterung (Silber wurde durch Kupfer ersetzt)
  • erhöhte Ausgabe von Münzen (durch neu entdeckte Vorkommen)

Preisrevolution im 16. Jahrhundert

Im "Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft" steht zu den Gründen der Preisrevolution im 16. Jahrhundert nachzulesen: "Mit der Vergrößerung der Edelmetallvorräte nahmen Geldprägung und Geldverkehr zu. Auch die Bevölkerungszahl in Europa stieg. Dagegen stagnierte die Getreideproduktion. So entstand hier ein Überhang von Nachfrage und Kaufkraft, der die Getreide- und Lebensmittelpreise in die Höhe trieb".

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