Die kurze Blütezeit der "Windhunde der Meere"

Die Tee-Rennen von China nach London im 19. Jahrhundert machten die "Teeklipper" berühmt. Die Eröffnung des Suezkanals läutete ihr Ende ein.

Wirtschaftsfaktor Teeklipper Windhunde Meere
Wirtschaftsfaktor Teeklipper Windhunde Meere
(c) AP

Der Aufstieg der britischen "Teeklipper" begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Die kleinen, schnellen Klipperschiffe setzten sich in der Teeschifffahrt von China nach London gegenüber den größeren und unwirtschaftlichen amerikanischen "Kalifornienklippern" durch. Der Einsatz der schlanken und stromlinienförmigen Schiffe machte hohe Geschwindigkeiten möglich und brachte ihnen den Namen "Windhunde der Meere" ein.

Sie waren schon bald ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die großen Reedereien: Ab 1856 erhielt jenes Schiff, dass die erste Teeladung der Saison aus China nach London brachte, eine satte Prämie.

Die legendären Tee-Rennen

In der Folge fanden prestigeträchtige Teerennen zwischen China und England statt. Es ging dabei weniger um den sportlichen Wettkampf als vielmehr um ökonomische Interessen, denn schnellere Schiffe bedeuteten höhere Frachtraten. Wirtschaftlichkeit stand klar im Vordergrund, weshalb die Teeklipper kleiner als ihre Vorgänger konstruiert waren, um auch die Mannschaftsstärke zu reduzieren.

Als ein besonders legendäres Rennen gilt jenes des Jahres 1866, bei dem sich die "Taeping" gegen acht Konkurrenten durchsetzte. Die teilnehmenden Schiffe waren zwischen 29. Mai und 6. Juni in See gestochen. "Die Taeping, die gewonnen hat, kam am Lizard buchstäblich zur selben Stunde an, wie die Ariel, ihr nächster Rivale und preschte dann den Ärmelkanal hinauf, beide Schiffe Brust an Brust", schrieb der "Daily Telegraph" am 12. September 1866. Die Taeping gewann mit 20 Minuten Vorsprung, die "Serica" lag nach 102 Tagen Fahrt nur eineinhalb Stunden zurück.

Eine interessante wirtschaftliche Konsequenz aus dem historischen Ereignis: Der Teepreis fiel angesichts der plötzlichen Teeschwemme in den Keller. Ein plakatives Beispiel dafür, wie das Gesetz von Angebot und Nachfrage funktioniert.

Anfang vom Ende: Eröffnung des Suez-Kanals

Der Grund für das abrupte Ende der Teeklipper-Schifffahrt lag im 1869 eröffneten Suezkanal, der die umwegige Kontinent-Umschiffung unnötig machte. Das Problem: Die Klipper benötigten - im Gegensatz zu Dampfschiffen - Schlepperhilfe, was einen erheblichen und unwirtschaftlichen Zeitverlust bedeutete.

Der endgültige Niedergang der schnellen Segler war damit aber noch nicht eingeläutet. Sie trotzten der Konkurrenz der Dampfschiffe, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Eroberung der Meere ansetzten. Sie blieben vorerst wettbewerbsfähig, da die Dampfer anfangs noch geringe Reichweiten erreichten und ständig auf Nachschub von Brennmaterial angewiesen waren. Auf den Langstrecken waren die ständig weiterentwickelten Klipper so bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Frachtschiffe im Einsatz.

Die "Cutty Sark"

Die "Cutty Sark" wurde zum schnellsten und erfolgreichsten Klipper ihrer Zeit. Sogar Dampfer konnten ihr nicht folgen. So überholte sie 1889 den Postdampfer "Britannia" mit 17 Knoten Fahrt. Bis 1922 segelte die Cutty Sark als Frachtsegler, ehe sie als Schulschiff diente. Seit 1954 liegt sie in Greenwich im Trockendock und war dort als Museumsschiff zu bewundern. Sie brannte im Mai 2007 allerdings nahezu vollständig ab. Nach einer Restaurierung soll sie Ende 2011 wiedereröffnet werden.

 

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