Weg frei für Gas durch Türkei

Energie. Ankara und Baku fixieren den Bau der Gaspipeline Tanap. Nun kann die Entscheidung fallen, wer das Gas nach Europa bringen darf.

frei fuer durch Tuerkei
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(c) REUTERS (� Petr Josek Snr / Reuters)

Wien/Auer. Die klassische Nabucco-Variante ist endgültig Geschichte. Am Dienstag fixierten Ankara und Baku den Bau der Tanap-Pipeline, die kaspisches Erdgas durch die Türkei an die bulgarische Grenze bringen soll. Dieselbe Strecke war ursprünglich auch für die Nabucco vorgesehen. Mit einer jährlichen Kapazität von 16 Mrd. Kubikmeter und Kosten von sieben Mrd. Dollar ist das Projekt der staatlichen aserbaidschanischen Gasgesellschaft Socar und der türkischen Botas wesentlich kleiner – und günstiger – als die auf 31 Mrd. Kubikmeter ausgelegte Nabucco-Urversion. Damit ist der Weg des Rohstoffs vom aserbaidschanischen Gasfeld Shah Deniz 2 an die bulgarische Grenze frei. Nun muss das Shah-Deniz-Konsortium (Socar und BP) entscheiden, wer das Gas von dort weiter nach Westeuropa bringen darf. Hier kommt die Nabucco in der geschrumpften „West“-Variante wieder ins Spiel (siehe Grafik).

 

„Nabucco West“, SEEP oder TAP

Noch diese Woche soll eine erste Entscheidung zwischen „Nabucco West“ und der von BP favorisierten Pipeline SEEP fallen. Die Streckenführung ist in beiden Fällen gleich, der Endpunkt läge stets in Baumgarten. Die SEEP befindet sich allerdings noch im Anfangsstadium. Für die Nabucco gibt es bereits fertige Pläne und bindende Verträge der betroffenen Länder. Der Sieger tritt nächstes Jahr gegen die TAP an. Die von der norwegischen Statoil und der deutschen E.On vorangetriebene Leitung soll Gas über Griechenland nach Italien bringen.

In seiner Maximalvariante scheiterte die von der EU forcierte Nabucco übrigens auch am EU-Recht selbst. Das schreibt nämlich vor, dass der Erbauer einer Leitung diese nicht allein nutzen darf. Ein Drittel der Lieferkapazitäten muss er an Dritte abtreten. Dieser Beschränkung wollten sich die Nicht-EU-Länder Türkei und Aserbaidschan nicht unterwerfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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