US-Notenbank kauft noch mehr Anleihen

Fed-Chef Ben Bernanke will den Leitzins bis zum Jahr 2015 nicht erhöhen und kauft Immobilienpapiere um 40 Milliarden Dollar pro Monat. Bringen wird das wenig: Die Notenbank hat ihr Pulver längst verschossen.

(c) EPA (JIM LO SCALZO)

New York/Wien/ag./red. Die US-Notenbank Fed setzt im Kampf um mehr Arbeitsplätze und ein Ende der Wirtschaftskrise auf weitere milliardenschwere Anleihekäufe. Das teilte die Federal Reserve am Donnerstag nach einer mit Spannung erwarteten Sitzung des Offenmarktausschusses mit. Sie will weiterhin pro Monat für 40 Mrd. Dollar Immobilienpapiere kaufen, um den schwächelnden Häusermarkt zu stärken. Außerdem wollen die Notenbanker ihren faktisch bei null Prozent liegenden Leitzins bis zum Jahre 2015 nicht erhöhen.
Fest steht, dass das nicht viel helfen wird: Die amerikanische Notenbank hat ihr Pulver längst verschossen, schon die vorhergegangenen Geldinjektionen und Zinssenkungen haben ihren Zweck, die Wirtschaft dauerhaft anzukurbeln und die für amerikanische Verhältnisse mit 8,1 Prozent extrem hohe Arbeitslosenrate zu senken, nicht erfüllt.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits vor ein paar Wochen beim Notenbankertreffen in Jackson Hole angedeutet, dass die Fed ein drittes Anleihenkaufprogramm (QE3) starten wolle. Seit 2008 hat die Fed auf diese Weise in zwei Wellen (QE1 und QE2) schon 2300 Mrd. Dollar in den Markt gepumpt, ohne damit die Konjunktur auf die Beine zu bringen. Genutzt hat es lediglich den Finanzmärkten: Die Börsenkurse liegen derzeit vergleichsweise hoch, im Vorfeld der anstehenden Ankaufsentscheidung legten die Finanzmärkte noch einmal deutlich zu. Ein Zeichen dafür, dass die durch Anleihenkäufe der Zentralbank in den Markt geflossenen Billionen ihren Weg nur teilweise in die Realwirtschaft gefunden haben, überwiegend aber in den Finanzmärkten geblieben sind.

Handlungsbedarf wegen US-Wahl

Doch die Fed hat Handlungsbedarf – unter anderem, weil die US-Präsidentenwahlen vor der Tür stehen und Konjunkturdaten in den USA meist einen entscheidenden Einfluss auf die Wiederwahl des amtierenden Präsidenten (der auch den Fed-Chef ernennt) haben.

Experten bezweifeln allerdings, ob dies diesmal gelingen kann: Sogar ein Anleihen-Ankaufsvolumen von 600 Mrd. Dollar (das entspräche dem Umfang von QE2) würde das Wirtschaftswachstum nach Berechnungen von Goldman Sachs um gerade einmal 0,25 Prozentpunkte ankurbeln und die Arbeitslosenrate um 0,12 Prozent senken. Das ist zu wenig, um den Wahlkampf zu beeinflussen oder überhaupt nennenswert bemerkt zu werden.

Experten meinen angesichts solcher Prognosen, die Risken eines weiteren Ankaufsprogramms stünden in keiner vernünftigen Relation zu den erwarteten Vorteilen. Denn massives „Gelddrucken“ berge die Gefahr hoher Inflation in sich. Nicht gleich, denn bei der derzeit schwachen Konjunktur kann eine richtige Lohn-Preis-Spirale nicht in Gang kommen. Aber mittelfristig.

Dazu kommt, dass alle möglichen Maßnahmen – Kauf von Staatsanleihen, Kauf von hypothekenbesicherten Anleihen oder weiteres Drehen an der ohnehin schon fast bei Null stehenden Zinsschraube – keinen wirklichen Sinn mehr ergäben.

Experten sehen hohe Risiken

Der Kauf von Staatsanleihen durch die Fed – also die am stärksten inflationsfördernde direkte Staatsfinanzierung aus der Notenpresse – würde zwar die Zinsen für die Staatsschuld weiter drücken. Aber die Verzinsung amerikanischer Staatsanleihen liegt mit etwas mehr als einem Prozent ohnehin schon auf einem historischen Tief.
Der Ankauf von hypothekenbesicherten Anleihen würde Geld in den Immobiliensektor pumpen. Aber der hat sich ohnehin prächtig erholt und brummt zur Zeit recht kräftig. Und an der Zinsschraube lässt sich auch nicht mehr viel drehen: Die Leitzinsen der Notenbank stehen praktisch bei Null.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14. September 2012)

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