Basel III: Die Banken wollen zum Gold greifen

Wenn im Jänner nächsten Jahres die sogenannten Basel-III-Regeln in Kraft treten, dürfte die Bedeutung von Gold in den Bilanzen steigen. Für die Banken ist Gold jedenfalls wieder "salonfähig“.

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(c) Symbolbild – (c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Wien. Seit Ausbruch der Finanzkrise und dem Ende der Investmentbank Lehman Brothers steht eine Frage im Zentrum der internationalen Politik: Wie sind die Regeln zu gestalten, damit das Bankensystem schockresistenter wird? Ab 2013 treten die sogenannten Basel-III-Regeln in Kraft. Ihr Ziel: die Quote an Kernkapital der Banken zu erhöhen – damit zukünftige Krisen verhindert werden können.

Klingt trocken, ist es auch. Aber die neuen Regeln des geheimnisvollen „Committee on Banking Supervision“, das in Basel bei der Bank of International Settlements (der Zentralbank der Zentralbanken) angesiedelt ist, könnten massive Auswirkungen auf den globalen Goldmarkt haben – zumindest sofern die Banken sich durchsetzen. Die wollen nämlich, dass Gold von einem drittklassigen zu einem erstklassigen Asset hochgestuft wird – und zum Kernkapital gezählt werden kann. Dies ergibt für die Banken doppelt Sinn: Das Eigenkapital wäre gestärkt und würde mit einem steigenden Goldpreis mitziehen – und Gold könnte als Reserve für herausgegebene Kredite eingesetzt werden. Noch ist nicht offiziell bekannt, ob die Basel-III-Regeln Gold als Kernkapital klassifizieren werden. Es deutet aber viel darauf hin. Zum Beispiel das neu gewonnene starke  Interesse der internationalen Großbanken an dem glänzenden Metall.

„Gold ist durch die Aufwertung beziehungsweise die Abwertung der Währungen wieder salonfähig geworden“, sagt Gustav Mayer, CEO von Schoeller Münzhandel, im „Presse“-Gespräch. Mayer war vergangene Woche bei der jährlichen großen Konferenz der Goldbörse LBMA (London Bullion Market Association) in Hong Kong, wo die Zahl der Teilnehmer mit dem Goldpreis zu wachsen scheint.

„Letztes Jahr waren 500 Leute dort, heute waren es 700 – und auffällig viele davon waren Banker aus England oder den USA. Die großen Banken beginnen jetzt, das Thema ernst zu nehmen“, sagt Mayer. Sollte Gold von den Basel-III-Regeln tatsächlich zum erstklassigen „Tier-1-Asset“ erklärt werden, würde das Metall nach mehr als vier Jahrzehnten ein Comeback als De-jure-Geld feiern. Gold wäre dann aus der Sicht der Regulatoren als Bankreserve so „gut“ wie Cash.

Faktor China

Mit ein Grund, warum die Stimmung bei der LBMA-Konferenz positiv war. „Wir sind jetzt erst bei der Hälfte des Bullenmarktes, das ist der allgemeine Tenor“, erzählt Mayer. Der Faktor Asien sei keinesfalls zu ignorieren. Während Schätzungen zufolge jeder Mensch rund 31 Gramm Gold – oder eine Unze im derzeitigen Wert von rund 1360 Euro – besitzt, liegt der durchschnittliche Goldbesitz in China bei nur zwei Gramm.

Es gibt also viel aufzuholen. In China wird das mit Plan erledigt. „Die Chinesen haben den Markt inzwischen sehr stark liberalisiert. Sie wollen ihre großen Banken zu internationalen Playern auf dem Markt machen. Und die Banken gehen in das Geschäft mit den privaten Investoren voll hinein“, so Mayer. Exchange Traded Funds (ETFs) und andere „Papiergold“-Produkte sind in Asien noch nicht weit verbreitet. „Das Geschäft mit den Privatkunden“ dreht sich ausschließlich um physisches Gold. Dass die chinesische Regierung ihre Bürger aktiv dazu ermuntert, physisches Gold zu kaufen, ist ein eindeutiges Zeichen für weiterhin wachsende Nachfrage. International – denn in Westeuropa hat sie ein wenig nachgelassen.

„Die Panik ist vorbei, die Leute sind ein bisschen abgestumpft“, so Mayer. Während Schoeller in Osteuropa noch wachsende Nachfrage spürt, sind die Umsatzzahlen in Westeuropa erstmals seit der Krise rückläufig – genauso wie beim Mutterkonzern von Schoeller, der Münze Österreich. Die Österreicher und Deutschen betrachten Gold inzwischen ganz ähnlich wie die Banken: nicht als Krisenwährung, sondern als Vermögen, als Asset. „Statt in Panik zu kaufen, nutzen die Leute Gold heute als Sparbuch-Ersatz“, sagt Mayer. Das Ziel: Schutz der Kaufkraft. „Denn“, so Mayer, „ich bin mir ziemlich sicher, dass der Normalbürger die offiziell publizierte Inflationsrate nicht mehr glaubt.“

Auf einen Blick

Gold ist seit 1971 kein offizieller Teil des Geldsystems, Banken können Kredite damit nicht absichern. Mit den neuen Basel-III-Regeln könnte sich das ändern. Im Jahr zwölf des Gold-Bullenmarktes dürfte das Metall wieder mit Cash-Reserven gleichgesetzt werden – und damit zum Kernkapital zählen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2012)

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