IWF: 2013 bringt Eurozone Rezession statt Wachstum

Prognose. Die Gefahr des Zusammenbruchs ist vorerst abgewendet, die grundlegenden Finanzprobleme aber offen.

File photo of sculpture showing Euro currency sign in front of the European Central Bank headquarters in Frankfurt
File photo of sculpture showing Euro currency sign in front of the European Central Bank headquarters in Frankfurt
REUTERS

[WASHINGTON] Der Internationale Währungsfonds (IWF) blickt heute sorgenvoller auf die wirtschaftliche Lage der Eurozone als vor drei Monaten. „Wir erwarten jetzt ein weiteres Jahr der Rezession. Die Zinssätze sind noch immer zu hoch, die Unsicherheit ebenfalls, und die Budgetkonsolidierung weiterhin erforderlich. Zudem ist die Finanzaufsichtsreform noch weit entfernt“, sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard am Mittwoch bei der Vorstellung des Weltwirtschaftsausblick in Washington. Statt mageren 0,2 Prozent Wachstum sei nun ein Schrumpfen der gesamten Wirtschaftsleistung der 17 Euroländer um 0,2 Prozent zu erwarten.

Damit folgt der Fonds der Weltbank. Sie hatte vergangene Woche ihre ohnehin schon ernüchternde Aussicht für die Eurozone von 0,1 Prozent Wachstum auf 0,1 Prozent Schrumpfen korrigiert. Beide Washingtoner Organisationen begründen ihre Entscheidungen fast wortgleich: das ärgste Risiken eines Zusammenbruchs des europäischen Finanzssystems sei vor allem dank der erklärten Bereitschaft der Europäischen Zentralbank verhindert worden, notfalls Staatsanleihen maroder Euroländer im unbestimmten Ausmaß zu kaufen.

Der hinkende Aufbau eine neuen Bankenaufsicht (einer „Bankenunion“) und die Unklarheit darüber, wie der neue Euro-Währungsfonds ESM seine 500 Milliarden Euro konkret als „Brandschutzmauer“ gegen das Übergreifen von Finanzierungsproblemen in der Eurozone einsetzen würde, ließen aber weder Weltbank noch IWF eine andere Wahl, als über Europa ein negativeres Urteil zu fällen als über den Rest der Welt.

Positive Überraschung USA

Die Weltwirtschaft im Ganzen soll in der neuen IWF-Prognose heuer um 3,5 Prozent wachsen. Das ist ein gegenüber Oktober fast unveränderter Wert. Berauschend ist das zwar nicht. Doch stellt der Fonds bezüglich der USA fest, dass das Wachstum dort positiv überrascht habe. „Wenn man den Budgetstreit beiseite lässt, schaut die Wirtschaft überraschend gut aus“, sagte Blanchard. Schon 2012 hat Amerika Europa stehen gelassen: Die US-Wirtschaft wuchs um 2,3 Prozent, während das kumulierte Bruttoinlandsprodukt der Euroländer um 0,4 Prozent schrumpfte. Für 2013 sagt der IWF Amerika fast unverändert zwei Prozent Wachstum voraus – mit der Ermahnung, dass der Streit zwischen Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern um die Obergrenze für die Staatsverschuldung gütlich beizulegen sei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24. Jänner 2013)

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